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Donnerstag, 13. Juni 2019

50 Jahre Archiv der sozialen Demokratie


Das Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) wurde vor 50 Jahren am 6. Juni 1969 von Willy Brandt eröffnet. Grund genug diesen Jahrestag gebührend zu würdigen. Auch die Einweihung des neuen Zwischenarchivs konnte am 6. Juni 2019 nach einer längeren Bauphase mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden.

Laut Programmankündigung, die u. a. mit Plakaten, Flyern und Twittermeldungen an die breite Öffentlichkeit getragen wurde, lud die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Archiv der sozialen Demokratie zum Tag der offenen Tür am 6. Juni 2019 in Bonn ein. Es gab verschiedene Programmpunkte, die durch den Tag führten. So war es u. a. möglich eine Führung durch das AdsD mitzumachen, einer Prodiumsdiskussion beizuwohnen oder eine Lesung am Abend zu besuchen

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Um 11 Uhr wurde der Festakt zur Feier des 50. Jahrestags des Archivs der sozialen Demokratie und zur Einweihung des neuen Zwischenarchivs durch den Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung Kurt Beck (Ministerpräsident a. D.) mit einer unterhaltsamen Rede eröffnet. In dieser dankte er u. a. den Baubeteiligten und Mitarbeitern für ihre Arbeit und Unterstützung in der Bauphase. Des weiteren zeigte er auf, dass die Arbeit der Archive noch immer ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft ist. Er betonte, dass es weiterhin wichtig ist die Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren, aus der Geschichte zu lernen und die Verantwortung für diese zu übernehmen. Dies ist auch in der Zukunft ein wichtiger Aspekt der Arbeit des AdsD und diese Arbeit darf aus der Sicht von Kurt Beck nicht enden.

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Nach diesem ca. 30 minütigen Auftakt der Verantstaltung haben Mitarbeiter des Archivs und der Bibliothek eine eindrucksvolle Präsentation vorgetragen. Inhalte waren die Geschichte des AdsD, dessen Arbeit sowie dessen Suche nach verlorengeglaubten Archivgut und dessen glücklichen Wiederfund durch Karl Ilgner in Stockholm im Jahre 1967. 

Zusätzlich konnte das Auditorium erfahren, dass nicht nur Schriftstücke im Archiv gesammelt und verwahrt, sondern auch über 4.000.000 Fotos aufbewahrt werden. Ein Großteil dieser Fotos sind von Jupp Darchinger, einem bekannten Nachkriegsfotografen. Insgesamt sind bereits zu diesem Zeitpunkt 56 Regalkilometer mit Archivgut gefüllt. 

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass es mehr Platz braucht, das neue Zwischenarchiv soll Abhilfe schaffen. Bei der Führung im Zwischenarchiv sind die Regale noch leer, aber das wird nicht lange so bleiben. Bei der Präsentation wird schnell klar, dass nicht nur stationär Archivgut gesammelt wird, auch ein digitales Zwischenarchiv wurde geschaffen, um alle relevanten digitalen Informationen bewerten und erfassen zu können. 

Archive beschäftigen sich nicht nur mit verstaubten und historischen Archivgütern. Sie leisten wichtige aufklärende Arbeit, bei denen Archivgüter helfen Sachverhalte ins richtige Licht zu rücken. Sie und vor allen ihre Archivare helfen u. a. aus dem kontextgerissene Zitate sowie falsch verwendete Zitate richtig darzustellen. Das AdsD nutzt u.a. aus diesem Grund den Veröffentlichungsweg über Twitter #ArchivegegenFakenews.

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Nach dem Vortrag gab es noch eine interessante Podiumsdiskussion mit Vertretern der Hinterleger von Archivgütern auf der einen Seite und den Bewahrern der Archivalien auf der anderen Seite. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte zu diesem Gespräch Dr. Monika Wulf-Mathies und Dieter Nietan als Hinterleger eingeladen. Auf Seiten der Fachvertreter waren Ralf Jacob und Kerstin Schoof an der Diskussion beteiligt. Dr. Monika Wulf-Mathies beantwortet bspw. die Frage zum Thema Vertrauen ins Archiv mit einem eindeutigen Ja und betont die Professionalität der Archivarbeit. Weiterhin erzählte sie, dass sie lange überlegt hat, welche Materialien sie dem Archiv zur Verfügung stellen soll, um ein vollständiges Bild ihrer Arbeit abbilden zu können. So hat sie u. a. nach reiflicher Überlegung auch die handschriftlichen Notizen zu Verhandlungsvorbereitungen, die bspw. Reaktionen auf mögliche Entscheidungen enthielten, dem Archiv überstellt. Bei diesem Gespräch wird klar, dass "Archive und Bibliotheken als Gedächtnis der Gesellschaft" fungieren und deren Arbeit sehr wertvoll und wichtig ist. Auch wurde die Zukunftsfrage der Archive und Bibliotheken an die Gesprächsteilnehmer weitergetragen und die Fachreferenten wiesen auf mögliche zukünftige Einsatzfelder dieser Einrichtungen hin.

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Nach dieser Podiumsdiskussion gab es ab 13 Uhr die Möglichkeit sich im Zwischenarchiv und im Archiv der sozialen Demokratie bei einer Führung genauer umzusehen und sich weitere Fakten erklären zu lassen. Auch wurde zu diesem Zeitpunkt für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt. Die Besucher konnten sich bei einem leichten Mittagessen stärken und hatten so die Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen, weiter zu diskutieren und sich zu vernetzen. Zusätzlich wurde die Mini-Ausstellung in der Eingangshalle der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet, die bildlich zeigt, wie Archiv und Bibliothek in der Vergangenheit arbeiteten und wie sich deren Arbeitsweise im Lauf der Zeit verändert hat.

Am Nachmittag gab es dann noch eine weitere kulinarische Überraschung für die Gratulanten. Der Geburtstagskuchen des Archivs war auf den ersten Blick zum Anschneiden und Essen zu schön angerichtet, fast selbst schon archivwürdig. Natürlich wurde er dann doch probiert und verzerrt, nur die Bilder dieses leckeren Erdbeer-Sahne-Kuchen könnten im Archiv für die Nachwelt archiviert werden.

Foto: Bernd Raschke/AdsD
Die Feier zum 50. Jahrestag des Archivs endetet aber nicht mit Kaffee und Kuchen. Ab 18 Uhr stand noch ein weiterer Programmpunkt für alle Interessierten auf der Agenda. Die Abschlussveranstaltung an diesem Tag widmete sich noch einmal den Archivalien des AdsD und Schriftstücken aus der Bibliothek. Es wurde ca. 1,5 Stunden aus ausgewählten Texten des Archivs und der Bibliothek rezitiert. Bettina Marugg und Andreas Meidinger vom fringe ensemble haben u. a. aus den Liebesbriefen von Rosa Luxemburg an Paul Levi vorgelesen. Auch Willy Brandt kommt an diesem Abend noch einmal zu Wort, es werden Rezeptvorschläge von ihm vorgetragen. Nach der Lesung gab es die Möglichkeit, den Abend noch mit einem Glas Wein und einem netten Gespräch ausklingen zu lassen.

Fazit:

Der Tag der offenen Tür zum 50. Jahrestag des AdsD war ein sehr informativer und gelungener Beitrag des Archivs und der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung. Es wurde zwar viel Faktenwissen an das Auditorium weitergegegen, aber es war niemals langweilig. Die Präsentation der Archiv- und Bibliotheksmitarbeiter war stimmig und sehr unterhaltsam gestaltet. Die Podiumsdiskussion war interessant und hätte auch gerne noch etwas länger und umfangreicher sein dürfen. Die Möglichkeit das Archiv und das Zwischenarchiv anzuschauen und somit hinter die Kulissen des Archivs zu blicken, war eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Archivs noch etwas besser kennenzulernen und zu wertschätzen. Die Idee, den Tag mit einer Lesung in geselliger Runde abzuschliessen hat sowohl einen charmanten sowie informierenden Charakter und bot zusätzlich die Möglichkeit bspw. interessierte werktätige Besucher am Jahrestag einzubeziehen.

Für alle, deren Wissensdurst durch meinen Beitrag oder auch durch den Besuch der Veranstaltung noch nicht gelöscht worden ist, gibt es die Möglichkeit auf dem Blog des Archivs weitere Details nachzulesen. In den nächsten 50 Wochen wird das Archiv pro Woche jeweils ein Archivgut vorstellen und zusätzlich dessen Geschichte in einem Beitrag veröffentlichen. Das heißt konkret 50 Wochen, 50 Archivalien, 50 Beiträge. Der erste Beitrag beschäftigt sich mit dem bereits im Blogbeitrag erwähnten Karl Ilgner, der die verlorenen Sopade-Akten in Stockholm in einem Keller wiederentdeckt hat. Weitere interessante Artikel werden folgen.

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