Freitag, 5. September 2014

Wilder Wacholder von Susanne Schomann

Ich möchte mehr von Lunau lesen

Dr. Kjell Loewenthal zieht zurück in sein Heimatdorf Lunau. Dort will er sich endlich als Landarzt niederlassen und mehr Zeit mit seiner Mutter verbringen. Doch die Ruhe in der Lüneburger Heide wird gestört. Arbeitet doch seit einigen Monaten die hübsche Isabell bei seiner Mutter im Kaffee und die bringt sein Leben ganz schön durcheinander. Denn Isabell ist vor ihrer tragischen Vergangenheit in Cornwell auf der Flucht. Lunau bedeutet für sie einen beruflichen Neubeginn, aber mit der Anwesenheit des neuen Doktors scheint auch ein anderer neuer und vielversprechender Weg möglich zu sein. Die Beiden fühlen sich zueinander hingezogen, aber eine neue Liebe ist für Isabell momentan nicht das wichtigste, denn ihre Vergangenheit scheint sie einzuholen. Auch scheint Kjell sich gegen die Gefühle von Isabell zu sperren, obwohl ihr erster Kuss soviel versprochen hatte.

Ach ja mal wieder eine tolle Geschichte zum Träumen, zum Verlieben aber auch zum Rätseln. Dank der Autorin Susanne Schomann machte ich eine Reise in die Lüneburger Heide und lernte den kleinen Ort Lunau und ihre netten Bewohner kennen. Ich lernte den sympathischen Landarzt Kjell kennen, der für seine Freunde da ist, wenn sie ihn brauchen. Der aber wohl anscheinend auch wundervoll küssen kann. Ich machte die Bekanntschaft mit Isabell, die eine hervorragende Bäckerin ist und der auch der Hund des Landarztes nicht widerstehen kann. Auch weitere Bewohner dieses fiktiven Ortes werden von der Autorin sehr genau, lebensecht und ansprechend beschrieben, dass ich mir das Leben dort sehr gut vorstellen kann und gerne mal Urlaub dort machen würde.

Besonders gerne würde ich auch einmal die Torten der gutaussehenden Bäckerin probieren. Aber dafür hat Susanne Schomann auch eine Lösung mitgeliefert. Am Ende des Buches findet der Leser die Rezepte von einigen im Buch erwähnten Köstlichkeiten, die ich gerne einmal nachbacken werde. Hoffentlich gelingen sie mir auch und sie sind dann so köstlich wie in der Beschreibung der Autorin.

Eine Liebesgeschichte mit einem kriminalistischen Anteil ganz nach meinem Geschmack. Bis zum Ende hat mich die Geschichte von Isabell und Kjell in Atmen gehalten. Von mir bekommt dieses tolle Buch 10 von 10 Punkte und eine Leseempfehlung.

Ich freue mich schon auf weitere Geschichten aus Lunau, die sich dann mit weiteren Bewohnern dieses Ortes beschäftigen und das besondere Flair von Lunau wieder aufleben lassen.

© claude

Donnerstag, 4. September 2014

Das Haus am Alsterufer von Micaela Jary

Hamburg Anfang des 20. Jahrhunderts

Diese Familiensaga beginnt im Jahre 1911 in Hamburg. Der Reeder Victor Dornhain hat drei sehr verschiedenen Töchter. Die kreative Nele, die Malerei in München studiert. Die kämpferische Ellinor, die einmal das Familienunternehmen übernehmen soll sowie die verwöhnte und egoistische Lavinia, die immer ihren Kopf durchsetzen will. Genau dieser Dickkopf von Lavinia bereitet Victor Dornhain arge Kopfschmerzen, denn sie will unbedingt den Architekten Konrad Michaelis heiraten. Dass sie mit dieser Heirat ihre Schwester Nele sehr unglücklich macht ahnt Lavinia nicht, denn diese liebt den Bräutigam im Verborgenen. Etwa zur selben Zeit kommt ein neues Hausmädchen zu den Dornhains, die 16-jährige Klara Thießen. Sie ist die illegitime Tochter des Reeders, aber nur er und seine Mutter Charlotte Dornhain wissen darüber bescheid. Dann drei Jahre später bricht der 1. Weltkrieg aus. Dieser verändert das Leben der Familie und das Schicksal sorgt dafür, dass die Karten noch einmal neu gemischt werden.

Dieser historische Roman der Autorin Micaela Jary hat mir sehr gut gefallen. Schnell habe ich mich in die Geschichte einfinden können, was unter anderen dem tollen und auch sehr angenehmen Schreibstil der Autorin zu verdanken ist. Auch hat sie es mit einer Leichtigkeit geschafft zu jedem Ende eines Kapitels meine Neugierde aufrecht zu erhalten und mich somit dazu animiert die Geschichte immer direkt weiterverfolgen zu wollen.

Besonders angenehm fand ich es, dass die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln der jeweiligen Protagonisten erzählt wurde. So hatte ich immer das Gefühl jeden in der Familie heimlich über die Schulter zu schauen. Ich war mittendrin in den Ereignissen, den Geschehnissen und Tragödien, welche die Familie erlebte bzw. durchlebte. Fast fühlte ich mich wie ein Mitglied der Familie, ein stilles Mitglied, dass heimlich alles beobachtet und hofft, dass sich alles zum Guten wendet. In diesem Buch wurde vorrangig die Geschichte von Lavinia, Nele, Konrad und auch Klara erzählt. Gerne hätte ich unter anderem noch weitere Details über Ellinor und ihr Leben erfahren. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es hier noch eine weitere Geschichte von der Autorin geben wird.

Insgesamt hat mir die Geschichte der Familie Dornhain sehr gut gefallen und Micaela Jary hat mich mit ihrer Schrebikunst als neuen Fan gewonnen. Gerne lese ich auch noch weitere Bücher der Autorin und bewerte dieses Buch mit der vollen Punktzahl, also mit 10 Punkten.

© claude

Mittwoch, 3. September 2014

Stigmata von Beatrix Gurian

Rätselhafte Bilder

Kurz nach dem tödlichen Unfall ihrer Mutter erhält Emma von einem Unbekannten einen rätselhaften Brief und eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie, die ein Kleinkind zeigt. In diesem Brief wird Emma aufgefordert die Mörder ihrer Mutter zu suchen. Hinweise deuten darauf hin, dass Emma die Täter im Umfeld eines Jugendcamps finden kann. Dies wird in einem abgelegenen und heruntergekommenen Schloss in den Bergen veranstaltet. Als Emma in dieser unwirtlichen Gegend eingetroffen ist findet sie immer wieder unheimliche Fotografien, die aus der Vergangenheit des Schlosses und ihrer Mutter zu stammen scheinen. Zusätzlich gibt es mysteriöse und rätselhafte Zwischenfälle im Campalltag, die Emma immer mehr beunruhigen...

Dieser Thriller für Jugendliche hat mich beim Lesen sehr gepackt und zusätzlich zu extrem vielen Spekulationen veranlasst. Immer wieder hatte ich neue Ideen, wer hinter den seltsamen Vorgängen im Camp stecken könnte. Alle Teilnehmer und auch die Veranstalter des Camps kommen für die Zwischenfälle in Frage, alle verhalten sich irgendwie seltsam, alle scheinen ein Geheimnis zu haben. Aber ich habe bis zum Ende gerätselt wie diese Geheimnisse aussehen und ob sie etwas mit dem Tod von Emmas Mutter zu tun haben.

Beatrix Gurian schafft es in ihrem Buch meisterhaft immer wieder neue Fragen aufzuwerfen und Verwirrungen zu schaffen, wenn ich glaubte dem Rätsel endlich auf der Spur zu sein. Somit hat sie es in meinen Augen sehr gut geschafft die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten und meine Fantasie anzuregen. Schlussendlich hatte ich mir die wildesten Theorien zusammengereimt und wurde dann aber doch noch mit dem Ende überrascht.

Ist das Buch inhaltlich durch die Erzählweise der Autorin bereits sehr ansprechend, unheimlich und auch sehr spannend gestaltet, so wird dieser Jugendthriller aber auch visuell sehr stark durch den Einsatz der bereits erwähnten Bilder unterstützt. Der Leser muss sich die genannten und beschriebenen Fotos, die sich überall im Schloss auffinden lassen, nicht selbst vorstellen. Vielmehr haben die Autorin und ihr Mann die Bilder für dieses Buch erstellt. Mit dem Einsatz dieser Bilder schaffen sie es die unheimliche Stimmung für den Leser noch zu verstärken. Mir hat die Umsetzung dieser Idee sehr gut gefallen und ich bewerte aus diesem Grund das Buch mit 10 von 10 Punkte.

Ein wirklich toller Jugendthriller der visuell einiges zu bieten hat und der auch ältere Leser begeistern kann.

© claude
 

Samstag, 30. August 2014

Gastrezension - Totenleuchten von Klara Nordin

Unter dem Nordlicht

„Der Weg auf den Berg war gut befahrbar. Die Samen räumten ihn den ganzen Winter über, weil sie dort oben im Wald ihre Rentiere an den Futterkrippen zufütterten. Margareta fuhr vorsichtig. Neben der Fahrbahn lag der Schnee fast einen Meter hoch. Eine falsche Bewegung, und sie würde feststecken und den ganzen Weg laufen müssen. Geschickt lenkte sie das schwere Fahrzeug, bis sie oben an der Wendeplatte angekommen war. Jetzt gab sie noch einmal richtig Gas. Zirka hundert Meter steil nach oben, dann war sie da. Polizeiinspektor Bengt Karlsson, ihr Kollege, stand im Türrahmen der roten Holzhütte, die bis vor einigen Jahren in der Sommersaison als Café gedient hatte. Margareta parkte den Motorschlitten nahe der alten Holzterrasse, deren Umrisse im Schnee nur zu erahnen waren. Bengt ging langsam auf sie zu. Er war blass und schien nach Worten zu suchen. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Bengt fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Der Junge wurde geschlachtet, geschlachtet wie ein Rentier.“  (S.44)

Nicht nur Bengt ist zutiefst erschüttert von diesem furchtbaren Fund. Alle Bewohner Jokkmokks, einer Kleinstadt nördlich des Polarkreises sind entsetzt! Gerade erst mussten sie einen jungen Mann beerdigen, der an seinem 19. Geburtstag einen tödlichen Unfall hatte. Und nun wurde einer seiner besten Freunde ermordet, ebenfalls an seinem Geburtstag. In dem Städtchen, in dem fast jeder jeden kennt, war der Junge allgemein beliebt. Wer könnte daher einen Grund haben, ihn zu töten? Und gibt es einen Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall seines Freundes?
Hauptkommissarin Linda Lundin, die gerade ihre neue Stelle hoch im Norden angetreten hat, hat eine harte Nuss zu knacken...

Dieser Krimi hat mich total begeistert! Besonders gefiel mir, wie schön die Handlung in den kulturellen und landschaftlichen Rahmen Lapplands eingebettet ist. Die Autorin liebt ihre Wahlheimat - und das merkt man. Seit 6 Jahren lebt sie in Lappland, in genau dieser kleinen Stadt Jokkmokk. Im Buch ist es die Hauptkommissarin Linda, die sich an ein völlig neues Leben gewöhnen muss. Vermutlich wird es ihr in Kürze so ergehen wie der Autorin - sie wird sich in ihre neue Heimat verlieben. Aber noch steht sie vor diversen Problemen. Da ist natürlich zunächst mal die große Kälte, die ihr zu schaffen macht. Während bei -30° die Kinder fröhlich draußen spielen, stellt sie fest, dass ihre mitgebrachte Winterkleidung bei weitem nicht ausreichend ist. Für die Klärung des Mordfalls kann sie gerade mal auf 2 Mitarbeiter zurückgreifen und um zum Tatort zu gelangen, muss sie auf einen Motorschlitten umsteigen.

Es sind diese vielen kleinen Besonderheiten, die den Krimi zu einem ganz besonderen werden lassen. Viel erfährt der Leser auch über die Samen, ob es um deren Geschichte, Sprache, Mode, um ihre Ansichten oder um ihre Werte geht. Erstaunt las ich, wie tief all diese Dinge auch bei der jungen Generation verwurzelt sind.

Aber es ist kein Sachbuch und niemand muss befürchten, dass Spannung oder Ermittlungsarbeit zu kurz kommen. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Es gibt diverse Verdächtige, immer mal wieder neue Wendungen und zum Schluss löst sich alles logisch auf.

Sympathische Charaktere gibt es ebenfalls mehrere. Und obwohl ich den Bewohnern Jokkmokks ihren Frieden gönnen würde, hoffe ich doch, dass Linda und ihre Mitarbeiter bald wieder Arbeit bekommen ;-)

Was mich im Moment aber am meisten bewegt, ist der heftige Wunsch, auch mal selbst in dieses Land zu reisen. Die Landschaftsbeschreibungen, die Berichte über Schlittenfahrten mit Husky-Antrieb, über samische Feste und Märkte und nicht zuletzt über die sagenhaften Polarlichter waren so intensiv geschrieben, dass ich am liebsten gleich meine Koffer gepackt hätte. Und wenn ich eines Tages losfahre, werde ich mich bemühen, nicht die gleichen Fehler zu machen, wie der typische Tourist, "erkennbar an der zu dünnen Kleidung und den eleganten Winterschuhen".

© Manu 

Freitag, 29. August 2014

Neue SuB-Abbau-Challenge im September

Es ist mal wieder Challenge-Zeit. Krimifee86 hat auf Lovelybooks die Bandwurm-Zungenbrecher-Challenge ausgerufen.

Meine gelesenen Bücher im September. Ich hoffe ich finde tolle lange Titel (Stand 30.09.2014)
  1. Teri Wilson - Ausgerechnet Mr. Darcy 
  2. Axel Krohn, Sören Sieg - Ich bin eine Dame, Sie Arschloch
  3. Sandra Regnier - Die Stunde der Lilie (Band 1)
  4. Mark Billingham - Die Lügen der Anderen
  5. John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama 
  6. Zoran Drvenkar - Still 
  7. Kerstin Gier - Silber Das erste Buch der Träume 
  8. Tom Llewellyn - Das Haus in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt  
  9. Nora Berger - Der Fluch der Zuckerinsel 
  10. Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte 
  11. Nora Roberts - Im Sturm der Erinnerung
  12. Frauke Scheunemann - Winston Agent auf leisen Pfoten 
  13. Kristen Tracy - Wie wir uns aus Versehen verliebten 
  14. Gabriella Engelmann - Im Pyjama um halb vier 
  15. Horst Evers - Wäre ich du würde ich mich lieben 
  16. Mila Roth - Sport und Mord gesellt sich gern 
  17. Pseudonymous Bosch Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis 
  18. Janine Wilk - Die Schattenträumerin 
  19. Amy Silver - Ich und Du und all die Jahre 
  20. Stephen King, Stewart O'nan - Ein Gesicht in der Menge 
  21. Cordula Broicher - Die Zeit danach 
  22. John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter 
  23. Haraki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki 
Angefangene Bücher:
  1. Mila Roth - Dein Freund und Mörder (65 Seiten)
  2. Rachel Gibson - Wer zuletzt lacht, küsst am besten (69 Seiten)
  3. Beatrix Mannel - Der Klang der blauen Muschel (17 Seiten)
  4. Andreas Götz - Hörst du den Tod? (73 Seiten)
  5. Brian Conaghan - Jetzt Spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe (153 Seiten)
  6. Juliet Ashton - Ein letzter Brief von dir (123 Seiten)
  7. Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat (216 Seiten)
  8. Julia Bähr/Christian Böhm - Wer ins kalte Wasser springt muss sich warm anziehen (128 Seiten)
  9. Joachim Gauck - Winter im Sommer-Frühling im Herbst (57 Seiten)
  10. Daniel Handler - 43 Gründe, warum es aus ist (99 Seiten)
  11. Christian Hahnewinkel - Lonesome zweisam (10 Seiten)
  12. Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (95 Seiten)

Folgende Gruppen gibt es diesmal im Monat September:

Team Whiskymixer (Whiskymixer mixen Whisky mit dem Whiskymixer, mit dem Whiskymixer mixen Whiskymixer Whisky):



Team Rumkugeln (Wenn Rumkugeln um Rumkugeln rumkugeln, dann kugeln Rumkugeln um Rumkugeln rum):


Team Bierbrauerburschen (Braunschweiger Bierbrauerburschen brauen brausiges braunschweiger Braunbier.):


Ich hoffe eure Trikots für den Monat September gefallen Euch. Alle Bilder wurden von mir erstellt.

PS: Der süsse Bursche auf Bild drei ist mein Vater mit ca. 4 Jahren. Ist er nicht niedlich.

Dienstag, 26. August 2014

Teufelsmord von Tanja Noy

Was geschah vor vielen Jahren wirklich?

Julia Wagner hat ihren Job als Kriminalbeamtin an den Nagel gehängt. Doch dann bekommt sie einen Anruf und somit Nachricht aus ihrer Vergangenheit. Ihre Jugendfreundin Kerstin ist tot. Sie hat sich nach dem teuflischen Mord an ihrem Ehemann in der Gefängniszelle erhängt. Doch vorher hatte sie den Mord auch noch zugegeben. Eigentlich wollte Julia nie wieder zurück in die Gegend in der sie aufgewachsen ist. Zu viele negative Erinnerungen hat sie an ihre Kindheit im Jugendheim, aber dann erwacht doch ihr kriminalistischer Instinkt, denn sie glaubt nicht daran dass Kerstin eine Mörderin sein soll. Der Mord trägt die Handschrift des Teufelsmord, der bereits vor vielen Jahren die Dorfgemeinschaft in Angst und Schrecken versetzt hat. Zusammen mit zwei weiteren Freunden von damals, die ebenfalls zur Beerdigung gekommen sind, begibt sie sich auf Spurensuche und schon bald stößt sie auf eine Mauer des Schweigens und eine eingeschworene Dorfgemeinschaft.

Dieser Thriller von Tanja Noy ist sehr spannend und zusätzlich auch gruselig geschrieben. Immer wieder habe ich mich mit Julia auf Spurensuche gewagt und dadurch auch immer wieder in schreckliche menschliche Abgründe blicken müssen. Die Autorin schafft es mit ihrer Erzählkunst ein eigentlich friedliches Dorf zum Schauplatz einiger abscheulicher Morde und somit zum Spielplatz eines durchgedrehten Serienkillers zu machen. Sie zeichnet zusätzlich ein hervorragendes sowie komplexes Bild einer verschworenen Dorfgemeinschaft, die einige Geheimnisse zu verbergen hat, aber nach aussen hin eine vorbildliche Gemeinde zu sein scheint.

Alles in Allem ist dieser Thriller gut gelungen, unheimlich und spannend erzählt. Leider gab es nur eine Teilaufklärung und somit einen wirklich fiesen Cliffhänger am Ende des Buches. Wer wissen will, was letztendlich genau hinter den Teufelsmorden steckt, der muss sich noch ein bisschen gedulden und die Fortsetzung Todesruhe lesen, die bald erscheinen soll. Von mir bekommt dieser Thriller 8 von 10  Punkte.

© claude

Freitag, 22. August 2014

Gastrezension - Piagnolia von Matthias von Arnim

 Wetten?

„Seht auf diesen Mann“, sagte er und klopfte ihm auf die Schulterklappen. „Das ist ein echter, arischer Römer. Ein Mann, auf den ich mich verlassen kann! Ein Vorbild für euch alle! Vittorio, wenn wir diese Weltmeisterschaft gewinnen und dem Rest der Welt damit ein weiteres Mal Italiens Größe und Macht beweisen, werde ich ein Schiff nach dir benennen“, rief Benito Mussolini.     (S. 119)

Wir befinden uns im Jahre 1934 n. Chr. Ganz Italien tanzt nach Roms Pfeife… Ganz Italien? Nein! Ein von unbeugsamen Dörflern bevölkertes Nest in der Nähe von Florenz hört nicht auf, Benito Mussolini Widerstand zu leisten…

Im Jahr 1934 fand die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien statt. Um das gesamte Turnier und den Sieg Italiens ranken sich Gerüchte, die von Bestechungsmaßnahmen sprechen. Es gibt Manipulationsvorwürfe, Schiedsrichter sollen alles andere als neutral gepfiffen haben und man hat festgestellt, dass unter anderem die italienische Nationalmannschaft Spieler aufstellte, die als Nicht-Italiener eigentlich nicht hätten im Team sein dürfen. Man kann wohl unbesorgt behaupten, dass Mussolini ein Sieg Italiens im eigenen Land enorm wichtig war.

Wie genau sind wohl die Bestechungen abgelaufen? Wer hat sich um alles gekümmert, sämtliche Fäden gezogen? Hier im Buch hat Mussolini eine „Spezialabteilung“ beauftragt, sich zum einen um die Finanzierung der WM zu kümmern und zum anderen dafür zu sorgen, dass Italien das Turnier gewinnt. Wie ist egal, alles ist erlaubt.

Tatsächlich sieht es auch so aus, als ob die „Spezialabteilung“ alles im Griff hat. Die Spiele verlaufen planmäßig und wenn man das Ergebnis schon vorher weiß, kann man auch prima darauf wetten und damit die schwarzen Kassen füllen. Vermutlich hatten weder Oberst Vittorio Briccone, Sonderbeauftragter für die Finanzierung der WM, noch Achille Starace, Sekretär der faschistischen Partei Italiens damit gerechnet, dass ein paar Dorfbewohner ihnen ernsthafte Schwierigkeiten machen könnten. Aber die Menschen in Piagnolia, einem fiktiven Dorf in der Toskana, möchten sich weder erpressen noch finanziell ausbeuten lassen. Und sie haben zwei Stärken: Zum einen ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und zum anderen einen gewissen Guido Ventura, der in Piagnolia aufwuchs, aber in der letzten Zeit ein Mitarbeiter der „Spezialabteilung“ war. War – wohlbemerkt.

Dieses Buch hat einfach nur Spaß gemacht! Die fiktive Handlung passt sich perfekt in den historischen Rahmen ein. Das Nachwort klärt den Leser darüber auf, dass „alle im Roman beschriebenen Fußballspiele, ihre Verläufe und die Ergebnisse den Tatsachen entsprechen, ebenso wie die im Roman beschriebenen historischen Begebenheiten, die zum Teil erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Fußballweltmeisterschaft hatten.“ Einige dieser Begebenheiten lesen sich so schräg, dass man trotzdem nachgoogelt (zumindest ging mir das so) und die Bestätigung liest.

Ich behaupte jetzt auch mal, dass man nichts von Fußball verstehen muss, um an den hier vorkommenden Spielen seine Freude zu haben. So sehr geht es überhaupt nicht ins Detail. Viel wichtiger sind die Charaktere dieses Buches – und davon gibt es einige erwähnenswerte!

Da sind zunächst mal die Bösen, Mussolini, Briccone und Starace. Die sind einfach nur fies und leider auch sehr mächtig. Und auf der anderen Seite haben wir ein wunderbares Team, dem unter anderem der kommunistische Bürgermeister von Piagnolia, der Dorfpfarrer, ein junges Mädchen und ein leicht trotteliger Bauer angehören. Unterstützt wird das Dorfteam noch von einem Sportreporter aus New York und dem oben schon erwähnten Guido Ventura. Vor allem der Pfarrer hatte schnell mein Herz erobert. So wie er sich benimmt, wird er sicher nie Bischof. Obwohl… Wenn er es drauf anlegen würde, vielleicht doch ;-) Denn eins ist klar: Dieses Team ist ein würdiger Gegner!

Die Kapitelaufteilung richtet sich nach „Tagen bis zum Endspiel“, man merkt also sehr genau, wie der große Tag näher rückt. Als ich das Kapitel mit besagtem Finale vorhin las, merkte ich zu meinem großen Vergnügen, dass ich total gespannt den Spielverlauf verfolgte, obwohl ich doch genau wusste, wie das Spiel endete. Toll geschrieben, kann ich da nur sagen!

Die Bezeichnung „Krimi“ finde ich allerdings ein bisschen irreführend. Gut, es gibt auch einen Toten, aber der dient eher dem Zweck, einige sehr schwarzhumorige Passagen (die ich absolut herrlich fand!) zu unterstützen. Vorne auf dem Buch steht „Roman“ und dabei sollten wir bleiben.

Fazit: Ein flott zu lesendes Buch, das einfach Spaß macht. Sicher auch einem Nicht-Fußballfan ;-)

Hier findet ihr auch noch eine Leseprobe zum Buch.

© Manu