Habe etwas anderes erwartet
Bei dieser Rezension möchte ich einmal nicht mit meinen eigenen Worten den Inhalt wiedergeben, sondern übernehme einfach komplett den Klappentext, damit man meine Meinung zum Buch auch besser nachvollziehen kann. Es ist eigentlich so gar nicht meine Art, aber in diesem besonderen Fall ist es leider notwendig.
Klappentext: Anker lichten, Leinen los! Die unerschrockene Piratentochter Olivia
macht von Hawaii aus mit ihrer schrägen Crew die Südsee unsicher. Da
spült das Schicksal ihr einen Mann vor die Füße, der behauptet, er komme
aus der Zukunft. Robert, der Meeresbiologe, bringt sie völlig
durcheinander: Erst mal steckt er in einer schwarzen Gummihaut und hat
Flossen wie ein Fisch, dann entpuppt er sich als der wohl der heißeste
Kerl der sieben Weltmeere. ARRRR! Doch auf dem Piratenschiff gelten
strenge Regeln: Wenn der Fischmann sein Leben retten will, muss er sich
als Piratenkrieger beweisen, einen legendären Familienschatz finden und
ihren durchtriebenen Widersacher, den „Großen Chang“, zu den Haien
schicken …
Soweit also der Klappentext. Dieser hatte mir wirklich gut gefallen und mich sehr angesprochen. Aus diesem Grund habe ich mich dann auch bei bloggdeinbuch darum beworben dieses Buch zu lesen und zu rezensieren, klang die Geschichte doch ganz nach meinem Beuteschema. Spannend, prickeln und abenteuerlustig. Aber weit gefehlt. Dieses Buch war leider komplett anders als ich es mir vorgestellt hatte. Die Autorin ergeht sich immer wieder in extrem langen Erklärungen zu unterschiedlichen Themen der Vergangenheit und auch der Gegenwart. Den ein oder anderen mag es gefallen so viel Informationen in diesem Rahmen serviert zu bekommen. Aber leider passte es so gar nicht zum Buch und meiner Vorstellung davon.
Auch erklärte der Klappentext nicht, dass der Vater von Olivia mit an Bord ist und er eigentlich das Kommando über das Schiff hat und dort alles nach seinen Regeln ablaufen muss. Das hat den Erzählfluss meiner Ansicht nach auch unheimlich gestört. Weiterhin haben die erotischen Szenen in diesem Buch so gar keinen Anspruch. Sie sind eher plump und keineswegs ansprechend gewesen. Wirklich sehr schade.
Alles im Allen kann ich nur sagen, dass ich mich wirklich komplett durch dieses Buch gekämpft habe in der Hoffnung, dass es mich vielleicht doch endlich fesseln würde. Aber das hat es leider in keinster Weise geschafft. Ich kann nur davon abraten dieses Buch zu lesen. Der Klappentext verspricht mehr als der Inhalt zu bieten hat. Mein Geschmack hat es so gar nicht getroffen und aus diesen Grund muss ich leider auch einmal etwas weniger Punkte verteilen. Von mir bekommt dieses Werk nur 4 von 10 Punkte und dementsprechend auch diesmal leider keine Leseempfehlung.
Wer aber selbst einmal schauen möchte kann hier bei books2read ins Buch reinlesen und nachschauen, ob meine Kritik berechtigt ist. Danke noch einmal an bloggdeinbuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.
© claude
In diesem Blog werde ich in meiner Bücher-Schatzkiste stöbern und die Leseerlebnisse mit Euch teilen. Folgt mir in die Tiefen meiner Schatzkiste und entdeckt zusammen mit mir die Schätze und Kostbarkeiten die sie enthält.
Mittwoch, 20. August 2014
Freitag, 15. August 2014
Gastrezension - Was die Welle nahm von Vera Kissel
Der Tote, über den man nicht sprechen darf.
„Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Jedes Mal, wenn ich wieder von der Welle geträumt habe, trainiere ich so. Wie ein Irrer. Ich ziehe das Tempo an, bis ich nur noch Herz und Lunge und Rhythmus bin. Drehe weiter auf und fliege fast durch das Wasser. Bin nicht mehr Lukas, bin was anderes, was dazwischen, ein Wesen halb Fisch, halb Mensch.
… Mein Sportlehrer wollte mich auch, für die Schulmannschaft. So ein Talent wie ich müsste in den Leistungssport.
Aber ich schwimme nicht gegen andere Menschen.
Nicht mal gegen mich selbst.
Ich schwimme gegen die Welle.“
Am 26. Dezember 2004 löste ein Erdbeben eine Reihe von verheerenden Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans aus. Insgesamt starben durch das Beben und seine Folgen etwa 230.000 Menschen (gem. Wikipedia). In Thailand wurden geschätzte 8.000 Menschen von der Welle in den Tod gerissen. Einer davon war Lukas Vater.
Das ist nun 10 Jahre her, Lukas ist mittlerweile 14 Jahre alt. Doch Nacht für Nacht plagen ihn Alpträume, muss er im Schlaf gegen die Welle kämpfen. Und Tag für Tag vermisst er seinen Vater. Das Schlimmste ist aber, dass er mit niemandem aus seiner Familie über seinen Vater sprechen kann - weder seine Mutter noch seine Großeltern beantworten seine Fragen. Es ist, als hätte es seinen Vater nie gegeben!
Lukas will Antworten, Lukas sucht die Wahrheit. Als er einen Brief findet, den seine Mutter versteckt hatte, macht er eine Entdeckung, die ihn völlig schockiert…
Lukas kämpft jeden Tag. Er kämpft gegen seine Angst, gegen das Trauma, das die Flutwelle bei ihm verursacht hat. Wie häufig im Leben sorgt Schweigen dafür, dass eine Situation noch schlimmer erlebt wird, als sie ohnehin schon ist.
Mit niemandem kann er über den Tod seines Vaters reden. Also hat er sich kundig gemacht, hat alles über „die Welle“ gelesen und angeschaut. Seine Phantasie malt sich immer wieder aus, wie sein Vater wohl gestorben ist. Jede Nacht aufs Neue – furchtbar!
Lukas Weg, damit zu leben, ist sein tägliches Schwimmtraining. Dabei fordert er sich bis zur totalen Erschöpfung, bis die Gedanken wieder frei werden. Mich hat das sehr beeindruckt!
Die familiäre Situation, in der Lukas lebt, ruft bei mir nur Kopfschütteln hervor. Regelmäßig hätte ich mir seine Mutter schnappen und mal ordentlich durchschütteln wollen! Wie kann man dem Jungen nur seinen Vater so komplett wegnehmen?
Lukas wehrt sich dagegen. In Gedanken spricht er mit seinem Vater, hütet er vage Erinnerungen, die er an ihn hat. Und er macht ihm Vorwürfe: Warum hast du mich alleingelassen? Ich bräuchte deinen Rat! Warum bin ich so schüchtern? Hab ich das von dir?
Eins war mir sehr schnell klar: Das Buch ist ungeheuer emotional geschrieben. An keiner Stelle hat es mich kalt gelassen! Lukas Gedanken und Gefühle stürzen auf ihn ein, kurze und abgehackte Sätze machen das ganz deutlich! Es sind einfach zu viele Emotionen auf einmal und sie sind viel zu intensiv! Wer so etwas erlebt, denkt nicht in ganzen Sätzen! All die Verzweiflung und die Wut auf die diversen Erwachsenen, die nicht mit ihm reden und auf seinen Vater, der ihn durch seinen Tod verlassen hat, kommen unmissverständlich raus. Ohnehin ist die Pubertät eine Lebensphase, die von starken Gefühlen und Gefühlsschwankungen beherrscht wird. Wenn dann noch solche Probleme hinzukommen, wie hier bei Lukas, wundere ich mich nicht über gelegentliche heftige Wutanfälle.
Dabei merkt man, dass Lukas kein braver Vorzeigejunge ist. Nein, er ist ein ganz normaler Junge mit ganz normalen Gefühlen. Dass er schon mal durchdreht, macht ihn authentisch und gibt die Möglichkeit, sich mit ihm zu identifizieren.
Ebenso normal ist, dass Lukas nicht rund um die Uhr an seinen Vater denkt. Neben seinem täglichen Schwimmtraining ist Lesen für ihn enorm wichtig – ein Punkt, der mir natürlich ungeheuer sympathisch ist ;-) Und wenn er den „Kinderhassern“ in der Nachbarschaft einen Streich spielt, kann ich nicht anders, als breit zu grinsen.
Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Jugendbuch über die Suche nach der eigenen Identität. Ein Plädoyer für Offenheit und Toleranz, das auch Eltern lesen sollten.
© Manu
„Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Jedes Mal, wenn ich wieder von der Welle geträumt habe, trainiere ich so. Wie ein Irrer. Ich ziehe das Tempo an, bis ich nur noch Herz und Lunge und Rhythmus bin. Drehe weiter auf und fliege fast durch das Wasser. Bin nicht mehr Lukas, bin was anderes, was dazwischen, ein Wesen halb Fisch, halb Mensch.
… Mein Sportlehrer wollte mich auch, für die Schulmannschaft. So ein Talent wie ich müsste in den Leistungssport.
Aber ich schwimme nicht gegen andere Menschen.
Nicht mal gegen mich selbst.
Ich schwimme gegen die Welle.“
Am 26. Dezember 2004 löste ein Erdbeben eine Reihe von verheerenden Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans aus. Insgesamt starben durch das Beben und seine Folgen etwa 230.000 Menschen (gem. Wikipedia). In Thailand wurden geschätzte 8.000 Menschen von der Welle in den Tod gerissen. Einer davon war Lukas Vater.
Das ist nun 10 Jahre her, Lukas ist mittlerweile 14 Jahre alt. Doch Nacht für Nacht plagen ihn Alpträume, muss er im Schlaf gegen die Welle kämpfen. Und Tag für Tag vermisst er seinen Vater. Das Schlimmste ist aber, dass er mit niemandem aus seiner Familie über seinen Vater sprechen kann - weder seine Mutter noch seine Großeltern beantworten seine Fragen. Es ist, als hätte es seinen Vater nie gegeben!
Lukas will Antworten, Lukas sucht die Wahrheit. Als er einen Brief findet, den seine Mutter versteckt hatte, macht er eine Entdeckung, die ihn völlig schockiert…
Lukas kämpft jeden Tag. Er kämpft gegen seine Angst, gegen das Trauma, das die Flutwelle bei ihm verursacht hat. Wie häufig im Leben sorgt Schweigen dafür, dass eine Situation noch schlimmer erlebt wird, als sie ohnehin schon ist.
Mit niemandem kann er über den Tod seines Vaters reden. Also hat er sich kundig gemacht, hat alles über „die Welle“ gelesen und angeschaut. Seine Phantasie malt sich immer wieder aus, wie sein Vater wohl gestorben ist. Jede Nacht aufs Neue – furchtbar!
Lukas Weg, damit zu leben, ist sein tägliches Schwimmtraining. Dabei fordert er sich bis zur totalen Erschöpfung, bis die Gedanken wieder frei werden. Mich hat das sehr beeindruckt!
Die familiäre Situation, in der Lukas lebt, ruft bei mir nur Kopfschütteln hervor. Regelmäßig hätte ich mir seine Mutter schnappen und mal ordentlich durchschütteln wollen! Wie kann man dem Jungen nur seinen Vater so komplett wegnehmen?
Lukas wehrt sich dagegen. In Gedanken spricht er mit seinem Vater, hütet er vage Erinnerungen, die er an ihn hat. Und er macht ihm Vorwürfe: Warum hast du mich alleingelassen? Ich bräuchte deinen Rat! Warum bin ich so schüchtern? Hab ich das von dir?
Eins war mir sehr schnell klar: Das Buch ist ungeheuer emotional geschrieben. An keiner Stelle hat es mich kalt gelassen! Lukas Gedanken und Gefühle stürzen auf ihn ein, kurze und abgehackte Sätze machen das ganz deutlich! Es sind einfach zu viele Emotionen auf einmal und sie sind viel zu intensiv! Wer so etwas erlebt, denkt nicht in ganzen Sätzen! All die Verzweiflung und die Wut auf die diversen Erwachsenen, die nicht mit ihm reden und auf seinen Vater, der ihn durch seinen Tod verlassen hat, kommen unmissverständlich raus. Ohnehin ist die Pubertät eine Lebensphase, die von starken Gefühlen und Gefühlsschwankungen beherrscht wird. Wenn dann noch solche Probleme hinzukommen, wie hier bei Lukas, wundere ich mich nicht über gelegentliche heftige Wutanfälle.
Dabei merkt man, dass Lukas kein braver Vorzeigejunge ist. Nein, er ist ein ganz normaler Junge mit ganz normalen Gefühlen. Dass er schon mal durchdreht, macht ihn authentisch und gibt die Möglichkeit, sich mit ihm zu identifizieren.
Ebenso normal ist, dass Lukas nicht rund um die Uhr an seinen Vater denkt. Neben seinem täglichen Schwimmtraining ist Lesen für ihn enorm wichtig – ein Punkt, der mir natürlich ungeheuer sympathisch ist ;-) Und wenn er den „Kinderhassern“ in der Nachbarschaft einen Streich spielt, kann ich nicht anders, als breit zu grinsen.
Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Jugendbuch über die Suche nach der eigenen Identität. Ein Plädoyer für Offenheit und Toleranz, das auch Eltern lesen sollten.
© Manu
Labels:
10 Punkte,
Gastrezension,
Jugendroman,
Vera Kissel
Dienstag, 12. August 2014
Alles Liebe oder Watt von Marie Matisek
Ein unterhaltsamer Sylt-Roman
Nach der Scheidung ist die Pastorin Silke mit ihren Kinder auf den Weg zu ihrer neuen Gemeinde auf Sylt. Bereits auf dem Weg in ihre neue Heimat Sylt lernt Silke eins ihrer neuen Schäfchen kennen. Lars Holm, der Bauunternehmer auf der Insel, ist arrogant, humorfrei und ein Klugscheißer vor dem Herrn. Da passt es sehr gut, dass Silke nach der Scheidung sowieso vorhatte die Finger von den Männern zu lassen. Doch ihre guten Vorsätze geraten ins Wanken als sie den gutaussehenden Naturschützer Ommo kennenlernt. Aber glücklicherweise hat sie ja Oma Grete, ihre Haushälterin an ihrer Seite, die nur zu gut alle Geheimnisse der Insel kennt sondern auch einige Tricks auf Lager hat. Eines ist auf alle Fälle sicher. Der neue Lebensabschnitt auf Sylt wird unter Garantie nicht langweilig.
Dieser kurzweilige Roman von Marie Matisek sorgt für leichte, sommerliche und angenehme Urlaubsgefühle. Schnell konnte ich mich als Leser mit dem Leben und den Gewohnheiten auf Sylt bekannt machen. Die leicht tollpatschige, aber auch sehr sympathische Pastorin Silke hat mein Herz im Sturm erobert. Zeigte sie mir doch, dass auch Pastoren nur Menschen sind, denen nicht alles in den Schoss fällt. Ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihre menschliche Unvollkommenheit machte sie zu einen wirklich sehr interessanten, aber auch liebenswerten Menschen, dem man seine Schwächen gerne verzeihen konnte. An einigen Textstellen hatte ich sogar ernstlich Sorge, dass sie ihre Erziehungsmaßnahmen alleine nicht geregelt bekommt und sozusagen gegen die Wand fährt. Aber mit Hilfe ihrer Mitmenschen und durch ihre eigene Courage hat sich Silke dann doch recht schnell eingelebt und schließlich packt sie auch ihr neues Amt als Pastorin richtig an. Sie kommt auf der Insel an und findet eine neue Heimat und schlussendlich auch neue Freunde.
Insgesamt hat mir das Buch von Marie Matisek gut gefallen und ich möchte es gerne allen Lesern empfehlen die eine sommerliche Lektüre für Zwischendurch und ohne Schnickschnack suchen. Dieser Roman ist eine nette Urlaubslektüre, die Lust auf eine Reise nach Sylt macht. Von mir bekommt dieser Roman für seinen kurzweiligen Lesespaß 8 von 10 Punkte.
© claude
Nach der Scheidung ist die Pastorin Silke mit ihren Kinder auf den Weg zu ihrer neuen Gemeinde auf Sylt. Bereits auf dem Weg in ihre neue Heimat Sylt lernt Silke eins ihrer neuen Schäfchen kennen. Lars Holm, der Bauunternehmer auf der Insel, ist arrogant, humorfrei und ein Klugscheißer vor dem Herrn. Da passt es sehr gut, dass Silke nach der Scheidung sowieso vorhatte die Finger von den Männern zu lassen. Doch ihre guten Vorsätze geraten ins Wanken als sie den gutaussehenden Naturschützer Ommo kennenlernt. Aber glücklicherweise hat sie ja Oma Grete, ihre Haushälterin an ihrer Seite, die nur zu gut alle Geheimnisse der Insel kennt sondern auch einige Tricks auf Lager hat. Eines ist auf alle Fälle sicher. Der neue Lebensabschnitt auf Sylt wird unter Garantie nicht langweilig.
Dieser kurzweilige Roman von Marie Matisek sorgt für leichte, sommerliche und angenehme Urlaubsgefühle. Schnell konnte ich mich als Leser mit dem Leben und den Gewohnheiten auf Sylt bekannt machen. Die leicht tollpatschige, aber auch sehr sympathische Pastorin Silke hat mein Herz im Sturm erobert. Zeigte sie mir doch, dass auch Pastoren nur Menschen sind, denen nicht alles in den Schoss fällt. Ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihre menschliche Unvollkommenheit machte sie zu einen wirklich sehr interessanten, aber auch liebenswerten Menschen, dem man seine Schwächen gerne verzeihen konnte. An einigen Textstellen hatte ich sogar ernstlich Sorge, dass sie ihre Erziehungsmaßnahmen alleine nicht geregelt bekommt und sozusagen gegen die Wand fährt. Aber mit Hilfe ihrer Mitmenschen und durch ihre eigene Courage hat sich Silke dann doch recht schnell eingelebt und schließlich packt sie auch ihr neues Amt als Pastorin richtig an. Sie kommt auf der Insel an und findet eine neue Heimat und schlussendlich auch neue Freunde.
Insgesamt hat mir das Buch von Marie Matisek gut gefallen und ich möchte es gerne allen Lesern empfehlen die eine sommerliche Lektüre für Zwischendurch und ohne Schnickschnack suchen. Dieser Roman ist eine nette Urlaubslektüre, die Lust auf eine Reise nach Sylt macht. Von mir bekommt dieser Roman für seinen kurzweiligen Lesespaß 8 von 10 Punkte.
© claude
Labels:
8 Punkte,
Frauenroman,
Marie Matisek
Sonntag, 10. August 2014
Die Rache des Normannen von Ulf Schiewe
Ein spannender historischer Roman
Wir schreiben das Jahr 1054 und befinden uns in Süditalien. Hier lebt die Contessa Gaitelgrima. Sie ist die Gemahlin des normannischen Grafen von Apulien und sie reist mithilfe der Leibwächter ihres Schwagers Robert nach Salerno. Dort in ihrer Heimat soll ihr neugeborener Sohn an der Seite ihres Bruders, Prinz Guaimar, getauft werden. Der junge Normanne Gilbert führt die Leibgarde zum Schutz der Contessa an. In Salerno angekommen beeindrucken den jungen Normannen der Reichtum und Opulenz dieser Stadt, aber schon bald muss er erkennen, dass hinter der Fassade ein gewaltiger Machtkampf entbrannt ist. Dieser droht die Prinzenfamilie zu vernichten. Gilbert und seine Gefährten finden sich schon bald inmitten eines Aufstands und müssen um ihr Leben fürchten, denn sie riskieren alles um das Leben der Contessa und ihres Sohnes zu retten.
Dieser historische Roman von Ulf Schiewe beschönigt nichts. Vielmehr zeigt er dem Leser wie hart, grausam, blutig und auch umkämpft das Leben insgesamt in der Zeit des 11. Jahrhunderts war. Mit seinem unschnörkeligen und direkten Erzählstil erzählt der Autor die Geschichte des Normannen Gilbert. Diese direkte Art gefiel mir außerordentlich gut.
In seinem Roman entführt uns Ulf Schiewe bereits zum 2. Mal in das Leben seines Helden Gilbert, von den Lombarden auch Gilberto genannt. Leider habe ich das erste Buch bisher nicht gelesen, aber ich konnte ohne weiteres Vorwissen auch mit diesem Buch ganz großartig in die Geschichte einsteigen. Ulf Schiewe versteht es hervorragend auch den bisher unwissenden Leser mit seinem Buch abzuholen, nicht zu viel vom ersten Teil zu verraten und somit auch Stammleser nicht mit unnötigen und langwierigen Wiederholungen zu langweilen. Das ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Das schafft leider nicht jeder Schriftsteller wie ich schon oft feststellen musste.
Schön finde ich auch, dass in diesem Buch eine Karte mit den Handlungsorten abgedruckt worden ist. Hier konnte ich hervorragend für mich visualiseren wo sich der Trupp gerade befindet. Auch das Personenregister hat es mir, als Neuling im Leben von Gilbert, einfacher gemacht mich zurechtzufinden und nicht komplett alle handelnden Personen durcheinander zu bringen.
Dieses Buch hat mir so gut gefallen, dass ich auch bereits den ersten Teil der Normannen käuflich erworben habe. Ich freue mich schon auch diesen noch einmal zu lesen und bin natürlich sehr gespannt wie es im 3. Teil weitergehen wird.
Von mir bekommt dieser wunderbar erzählte und sehr spannende historische Roman von Ulf Schiewe 10 von 10 Punkte. Ich finde jeder historienbegeisterte Leser sollte diese Reise ins 11. Jahrhundert antreten und das Leben der Normannen einmal durch die Augen von Gilbert erleben.
© claude
Wir schreiben das Jahr 1054 und befinden uns in Süditalien. Hier lebt die Contessa Gaitelgrima. Sie ist die Gemahlin des normannischen Grafen von Apulien und sie reist mithilfe der Leibwächter ihres Schwagers Robert nach Salerno. Dort in ihrer Heimat soll ihr neugeborener Sohn an der Seite ihres Bruders, Prinz Guaimar, getauft werden. Der junge Normanne Gilbert führt die Leibgarde zum Schutz der Contessa an. In Salerno angekommen beeindrucken den jungen Normannen der Reichtum und Opulenz dieser Stadt, aber schon bald muss er erkennen, dass hinter der Fassade ein gewaltiger Machtkampf entbrannt ist. Dieser droht die Prinzenfamilie zu vernichten. Gilbert und seine Gefährten finden sich schon bald inmitten eines Aufstands und müssen um ihr Leben fürchten, denn sie riskieren alles um das Leben der Contessa und ihres Sohnes zu retten.
Dieser historische Roman von Ulf Schiewe beschönigt nichts. Vielmehr zeigt er dem Leser wie hart, grausam, blutig und auch umkämpft das Leben insgesamt in der Zeit des 11. Jahrhunderts war. Mit seinem unschnörkeligen und direkten Erzählstil erzählt der Autor die Geschichte des Normannen Gilbert. Diese direkte Art gefiel mir außerordentlich gut.
In seinem Roman entführt uns Ulf Schiewe bereits zum 2. Mal in das Leben seines Helden Gilbert, von den Lombarden auch Gilberto genannt. Leider habe ich das erste Buch bisher nicht gelesen, aber ich konnte ohne weiteres Vorwissen auch mit diesem Buch ganz großartig in die Geschichte einsteigen. Ulf Schiewe versteht es hervorragend auch den bisher unwissenden Leser mit seinem Buch abzuholen, nicht zu viel vom ersten Teil zu verraten und somit auch Stammleser nicht mit unnötigen und langwierigen Wiederholungen zu langweilen. Das ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Das schafft leider nicht jeder Schriftsteller wie ich schon oft feststellen musste.
Schön finde ich auch, dass in diesem Buch eine Karte mit den Handlungsorten abgedruckt worden ist. Hier konnte ich hervorragend für mich visualiseren wo sich der Trupp gerade befindet. Auch das Personenregister hat es mir, als Neuling im Leben von Gilbert, einfacher gemacht mich zurechtzufinden und nicht komplett alle handelnden Personen durcheinander zu bringen.
Dieses Buch hat mir so gut gefallen, dass ich auch bereits den ersten Teil der Normannen käuflich erworben habe. Ich freue mich schon auch diesen noch einmal zu lesen und bin natürlich sehr gespannt wie es im 3. Teil weitergehen wird.
Von mir bekommt dieser wunderbar erzählte und sehr spannende historische Roman von Ulf Schiewe 10 von 10 Punkte. Ich finde jeder historienbegeisterte Leser sollte diese Reise ins 11. Jahrhundert antreten und das Leben der Normannen einmal durch die Augen von Gilbert erleben.
© claude
Labels:
10 Punkte,
historischer Roman,
Ulf Schiewe
Samstag, 9. August 2014
Gastrezension - Deutscher Meister von Stephanie Bart
Die Kerndisziplin der körperlichen Erziehung im staatspolitischen Sinne
„In den Augen des Ringrichters stritten Neid und Bewunderung um die Oberhand. Am Fuße des Rings gaben sich die Punktrichter Mühe, durch den fliegenden Trollmann hindurchzusehen, und blieben doch mit den Augen an seinem Körper hängen. Ärger und Wut ergriffen den Ersten Vorsitzenden des Verbands Deutscher Faustkämpfer: Affentheater! Unwürdig!! Am meisten schlauchte ihn, dass der Zigeuner das ganze Publikum für sich hatte. Warts nur ab. Nun war zwar amtlicherseits die Rassenfrage noch nichts zweifelsfrei geklärt, es konnte mithin noch nicht ausgeschlossen werden, dass Zigeuner nicht doch auch Arier waren, aber für solche wissenschaftlichen Feinsinnigkeiten fehlte dem Ersten Vorsitzenden nicht nur das Interesse, sondern auch die Zeit. Er glaubte, was er sehen wollte: Der Zigeuner war ja von der Farbe her so gut wie eins mit dem Neger.“
Berlin im Jahr 1933. Der Führer ist ein großer Anhänger des Boxsports. In seinem „Kampf“ hat er beschrieben, wie gut und wichtig besonders dieser Sport sei – die „gesamte männliche Jugend des Reichs musste Boxen lernen“. Zeitgleich laufen Säuberungsaktionen und auch beim Boxverband, der sich nun „Verband Deutscher Faustkämpfer“ nennt, werden sämtliche jüdischen Boxer, Manager, Trainer, Ringrichter usw. aus den Mitgliedslisten gestrichen. Dumm nur, dass davon auch der amtierende Deutsche Meister im Mittelgewicht betroffen ist, der in vier Tagen seinen Titel verteidigen sollte. Der populäre Kampfabend kann nicht abgesagt werden, aber es gibt nur einen Boxer, der in der Lage wäre, durch seinen Auftritt die Massen für das Nicht-Antreten des bisherigen Meisters zu entschädigen – Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann. Doch auch mit Trollmann gibt es ein Problem, denn er ist Sinto.
Trollmann war ein hervorragender Boxer. Ein großes Talent, dessen Kampfstil mit dem Stil Muhammad Alis verglichen wird. Zudem war er beim Publikum sehr beliebt und galt als Sexsymbol. Doch obwohl er Deutscher war, machte es ihm seine Sinto-Abstammung unmöglich, den Ruhm und die Titel zu erlangen, die er in einer gerechten Welt vermutlich erzielt hätte. Regelmäßig wurde er boykottiert und zu Kämpfen nicht zugelassen. Kämpfte er, wurde geschoben und häufig zu seinen Lasten unrichtig bewertet. Dieses Buch erzählt die Geschichte seines ganz persönlichen Kampfes.
Obwohl er schon sehr früh Diskriminierung aufgrund seiner Abstammung erfahren musste, hat er sehr lange geglaubt, dass er, wenn er sich nur ordentlich benehmen und an die Regeln halten würde, irgendwann doch eine faire Chance bekäme. Er glaubte, dass er es ehrlich zum Meistertitel bringen könnte…
„Nun war Trollmann in seinem Refugium. Nirgendwo und nirgendwann sonst war er so sicher vor feindlichen Attacken wie während des Kämpfens im Ring. Hier war er unangreifbar, weil vor dem Leder alleine das zählt, was man konnte, und nicht irgendwelche Herkünfte oder Rassen.“
Der Leser ahnt natürlich gleich, dass Trollmann vergebens hoffte. Und so begleiten wir ihn ein Stück seines Wegs, erleben mit, wie er eigentlich haushoch einen Kampf um die Deutsche Meisterschaft gewann und trotzdem nicht den Titel bekam und wie man alles daransetzte, ihn – den Kämpfer – loszuwerden. Mit immer neuen Mitteln wurde er drangsaliert und schikaniert. Aber gleichgültig wie er sich bemühte und anpasste, er konnte es nie richtig machen…
„Es empörte den Ersten Vorsitzenden über die Maßen, dass der Zigeuner die Ernsthaftigkeit für sich reklamierte. Immerzu hatte er mit seinen theaterhaften Auftritten, mit seinen unorthodoxen Schlägen und seinem Herumgehopse im Ring die höheren, inneren Werte des Boxens verhöhnt, und Experten hatten ihm vorgeworfen, dass ihm zum wirklich guten Boxer die Ernsthaftigkeit fehlte: Nun hielt er sich nicht daran und war ernsthaft. Das war die zigeunerische Unbeständigkeit! Dieser hergelaufene Rotzlöffel hatte nicht das Recht, die Ernsthaftigkeit für sich zu reklamieren. Man konnte ihm nicht einmal an den Karren fahren, weil er die Unverschämtheit so brav und harmlos vortrug. … Und wenn der Zigeuner tatsächlich ernsthaft trainierte? Dem war ja bei seiner Unberechenbarkeit alles zuzutrauen, das war gefährlich, brandgefährlich war das…“
Dieses Buch hat reichlich Emotionen bei mir hervorgerufen. Hauptsächlich Wut, auf die fürchterlichen Ungerechtigkeiten, die hier beschrieben werden. Natürlich weiß ich wie jeder andere auch um die grausamen Schicksale unzähliger Menschen in der Nazizeit. Aber festgemacht an einer Person, an einem Einzelschicksal, werden diese Dinge besonders eindringlich.
Ein weiteres Gefühl war Erstaunen. Ich komme aus einer Familie, in der sogar die Oma früher mitten in der Nacht aufstand, um Muhammad Ali boxen zu sehen. Aber von Trollmann hatte ich nie zuvor gehört!
Das nächste Gefühl war Begeisterung. Der oben genannte Meisterschaftskampf wird detailliert beschrieben, Runde für Runde. Dabei erkannte ich ganz deutlich, wie toll er kämpfte, was für eine fabelhafte Beinarbeit, Beweglichkeit, Stärke, Kondition… er hatte. Die Beschreibung ist derart, dass ich wirklich das Gefühl hatte, am Ring zu stehen. Alles zu beobachten, Trollmann zu feiern, seinen Sieg zu bejubeln und dann zu erleben, wie der Kranz weggebracht wird…
… und ihm trotz des klaren Siegs der Meistertitel verweigert wird. Da war die Wut wieder da! Diese wurde zur Erschütterung, als mir klar wurde, worauf die Handlung hinausläuft. Gegen Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Besonders der Schluss ist unglaublich! Ich werde hier keine weiteren Andeutungen machen, das muss man selber lesen.
So bleibt für mich die Erkenntnis, dass dieses Buch über einen Sinto-Boxer in der Nazizeit für mich ein klarer Favorit geworden ist. Ich habe noch nie zuvor ein Buch übers Boxen gelesen und dachte nicht, dass mich das so fesseln würde. Großer Irrtum! Ich habe mittrainiert, mitgeboxt, habe mitgekämpft, mitgehofft und mitgelitten. Und ich habe einen Boxer kennengelernt, der es wirklich verdient hat, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Der Schreibstil gefiel mir sehr. Das Buch las sich flott und war gleichzeitig voller bitterböser Spitzen. Für mich gab es auch keinerlei Längen, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass jemand, der so gar kein Interesse am Boxsport hat, auf einige Runden verzichten könnte. Wer sich aber zumindest gelegentlich mal einen Kampf ansieht und Interesse an Zeitgeschichte hat, der hat hier ein ganz tolles und berührendes Buch!
Wer mag, kann Johann Wilhelm Trollmann mal googeln. Ich hab’s gemacht und reichlich Interessantes gefunden. Beispielsweise, dass der Bund Deutscher Berufsboxer Ende 2003 den Meistergürtel symbolisch an seine noch lebenden Verwandten übergeben hat.
Im Jahr 1939 war Trollmann übrigens deutsch genug, um zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Er kämpfte an der Ostfront, wurde 1942 entlassen und ins KZ deportiert, wo er 1944 starb.
© Manu
„In den Augen des Ringrichters stritten Neid und Bewunderung um die Oberhand. Am Fuße des Rings gaben sich die Punktrichter Mühe, durch den fliegenden Trollmann hindurchzusehen, und blieben doch mit den Augen an seinem Körper hängen. Ärger und Wut ergriffen den Ersten Vorsitzenden des Verbands Deutscher Faustkämpfer: Affentheater! Unwürdig!! Am meisten schlauchte ihn, dass der Zigeuner das ganze Publikum für sich hatte. Warts nur ab. Nun war zwar amtlicherseits die Rassenfrage noch nichts zweifelsfrei geklärt, es konnte mithin noch nicht ausgeschlossen werden, dass Zigeuner nicht doch auch Arier waren, aber für solche wissenschaftlichen Feinsinnigkeiten fehlte dem Ersten Vorsitzenden nicht nur das Interesse, sondern auch die Zeit. Er glaubte, was er sehen wollte: Der Zigeuner war ja von der Farbe her so gut wie eins mit dem Neger.“
Berlin im Jahr 1933. Der Führer ist ein großer Anhänger des Boxsports. In seinem „Kampf“ hat er beschrieben, wie gut und wichtig besonders dieser Sport sei – die „gesamte männliche Jugend des Reichs musste Boxen lernen“. Zeitgleich laufen Säuberungsaktionen und auch beim Boxverband, der sich nun „Verband Deutscher Faustkämpfer“ nennt, werden sämtliche jüdischen Boxer, Manager, Trainer, Ringrichter usw. aus den Mitgliedslisten gestrichen. Dumm nur, dass davon auch der amtierende Deutsche Meister im Mittelgewicht betroffen ist, der in vier Tagen seinen Titel verteidigen sollte. Der populäre Kampfabend kann nicht abgesagt werden, aber es gibt nur einen Boxer, der in der Lage wäre, durch seinen Auftritt die Massen für das Nicht-Antreten des bisherigen Meisters zu entschädigen – Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann. Doch auch mit Trollmann gibt es ein Problem, denn er ist Sinto.
Trollmann war ein hervorragender Boxer. Ein großes Talent, dessen Kampfstil mit dem Stil Muhammad Alis verglichen wird. Zudem war er beim Publikum sehr beliebt und galt als Sexsymbol. Doch obwohl er Deutscher war, machte es ihm seine Sinto-Abstammung unmöglich, den Ruhm und die Titel zu erlangen, die er in einer gerechten Welt vermutlich erzielt hätte. Regelmäßig wurde er boykottiert und zu Kämpfen nicht zugelassen. Kämpfte er, wurde geschoben und häufig zu seinen Lasten unrichtig bewertet. Dieses Buch erzählt die Geschichte seines ganz persönlichen Kampfes.
Obwohl er schon sehr früh Diskriminierung aufgrund seiner Abstammung erfahren musste, hat er sehr lange geglaubt, dass er, wenn er sich nur ordentlich benehmen und an die Regeln halten würde, irgendwann doch eine faire Chance bekäme. Er glaubte, dass er es ehrlich zum Meistertitel bringen könnte…
„Nun war Trollmann in seinem Refugium. Nirgendwo und nirgendwann sonst war er so sicher vor feindlichen Attacken wie während des Kämpfens im Ring. Hier war er unangreifbar, weil vor dem Leder alleine das zählt, was man konnte, und nicht irgendwelche Herkünfte oder Rassen.“
Der Leser ahnt natürlich gleich, dass Trollmann vergebens hoffte. Und so begleiten wir ihn ein Stück seines Wegs, erleben mit, wie er eigentlich haushoch einen Kampf um die Deutsche Meisterschaft gewann und trotzdem nicht den Titel bekam und wie man alles daransetzte, ihn – den Kämpfer – loszuwerden. Mit immer neuen Mitteln wurde er drangsaliert und schikaniert. Aber gleichgültig wie er sich bemühte und anpasste, er konnte es nie richtig machen…
„Es empörte den Ersten Vorsitzenden über die Maßen, dass der Zigeuner die Ernsthaftigkeit für sich reklamierte. Immerzu hatte er mit seinen theaterhaften Auftritten, mit seinen unorthodoxen Schlägen und seinem Herumgehopse im Ring die höheren, inneren Werte des Boxens verhöhnt, und Experten hatten ihm vorgeworfen, dass ihm zum wirklich guten Boxer die Ernsthaftigkeit fehlte: Nun hielt er sich nicht daran und war ernsthaft. Das war die zigeunerische Unbeständigkeit! Dieser hergelaufene Rotzlöffel hatte nicht das Recht, die Ernsthaftigkeit für sich zu reklamieren. Man konnte ihm nicht einmal an den Karren fahren, weil er die Unverschämtheit so brav und harmlos vortrug. … Und wenn der Zigeuner tatsächlich ernsthaft trainierte? Dem war ja bei seiner Unberechenbarkeit alles zuzutrauen, das war gefährlich, brandgefährlich war das…“
Dieses Buch hat reichlich Emotionen bei mir hervorgerufen. Hauptsächlich Wut, auf die fürchterlichen Ungerechtigkeiten, die hier beschrieben werden. Natürlich weiß ich wie jeder andere auch um die grausamen Schicksale unzähliger Menschen in der Nazizeit. Aber festgemacht an einer Person, an einem Einzelschicksal, werden diese Dinge besonders eindringlich.
Ein weiteres Gefühl war Erstaunen. Ich komme aus einer Familie, in der sogar die Oma früher mitten in der Nacht aufstand, um Muhammad Ali boxen zu sehen. Aber von Trollmann hatte ich nie zuvor gehört!
Das nächste Gefühl war Begeisterung. Der oben genannte Meisterschaftskampf wird detailliert beschrieben, Runde für Runde. Dabei erkannte ich ganz deutlich, wie toll er kämpfte, was für eine fabelhafte Beinarbeit, Beweglichkeit, Stärke, Kondition… er hatte. Die Beschreibung ist derart, dass ich wirklich das Gefühl hatte, am Ring zu stehen. Alles zu beobachten, Trollmann zu feiern, seinen Sieg zu bejubeln und dann zu erleben, wie der Kranz weggebracht wird…
… und ihm trotz des klaren Siegs der Meistertitel verweigert wird. Da war die Wut wieder da! Diese wurde zur Erschütterung, als mir klar wurde, worauf die Handlung hinausläuft. Gegen Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Besonders der Schluss ist unglaublich! Ich werde hier keine weiteren Andeutungen machen, das muss man selber lesen.
So bleibt für mich die Erkenntnis, dass dieses Buch über einen Sinto-Boxer in der Nazizeit für mich ein klarer Favorit geworden ist. Ich habe noch nie zuvor ein Buch übers Boxen gelesen und dachte nicht, dass mich das so fesseln würde. Großer Irrtum! Ich habe mittrainiert, mitgeboxt, habe mitgekämpft, mitgehofft und mitgelitten. Und ich habe einen Boxer kennengelernt, der es wirklich verdient hat, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Der Schreibstil gefiel mir sehr. Das Buch las sich flott und war gleichzeitig voller bitterböser Spitzen. Für mich gab es auch keinerlei Längen, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass jemand, der so gar kein Interesse am Boxsport hat, auf einige Runden verzichten könnte. Wer sich aber zumindest gelegentlich mal einen Kampf ansieht und Interesse an Zeitgeschichte hat, der hat hier ein ganz tolles und berührendes Buch!
Wer mag, kann Johann Wilhelm Trollmann mal googeln. Ich hab’s gemacht und reichlich Interessantes gefunden. Beispielsweise, dass der Bund Deutscher Berufsboxer Ende 2003 den Meistergürtel symbolisch an seine noch lebenden Verwandten übergeben hat.
Im Jahr 1939 war Trollmann übrigens deutsch genug, um zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Er kämpfte an der Ostfront, wurde 1942 entlassen und ins KZ deportiert, wo er 1944 starb.
© Manu
Labels:
10 Punkte,
Belletristik,
Gastrezension,
Stephanie Bart
Montag, 4. August 2014
Das Mondgeheimnis von Stefan M. Fischer
Eine gut erzählte tiefgreifende Geschichte
Alena ist eine bildhübsche aber emotional verschlossene junge Frau, die Medizin in Prag studiert. Aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses misstraut sie der Liebe und verschließt sich so vor dem wirklichen, dem wahrhaftigen Leben. Als Schutzwall spinnt sie ein Netz aus verschiedenen Lebenslügen um ihre Seele und schlussendlich sich selbst zu schützen. Doch dann lernt sie den Maler Ondrej kennen und sie merkt, dass sie mehr vom Leben will, als sie bisher bekommen hat. Doch das Leben von Alena ist wirklich nicht einfach, denn es gibt sowohl eine emotionlose Beziehung mit Vlado, die verbitterte und rachsüchtige Mutter - und zu allerletzt auch das Mondgeheimnis.
Dieses Buch des Autors Stefan M. Fischer hat mich positiv überrascht. Emotional, tiefschürfend und zusätzlich auch wirklich spannend erzählt, nimmt sich der Autor einem ernsten und nachdenklich machenden Thema an. Mit der Geschichte von Alena schaffte er es mich als Leser emotional zu packen und mich zu Tränen zu rühren. Alena eine junge Frau, die bereits in ihrer Kindheit traumatische Ereignisse erleben musste und aus diesem Grund keine Liebe in ihren Leben zulassen kann. Bei ihrer Großmutter aufgewachsen hat sie ein wenig Normalität erfahren können, aber zu wirklich tiefen Gefühlen ist sie nach den Erlebnissen in ihrer Kindheit nicht mehr fähig. Ich konnte die Gefühle von Alena sehr gut greifen, verstehen und komplett nachempfinden.
Der Autor hat mich wirklich stark begeistert. Ich bin immer noch fasziniert, wie der Autor einen so emotionalen und auch berührenden Roman geschaffen hat. Stefan M. Fischer ist ein Autorenname nach dem ich in Zukunft Ausschau halten werde. Danke für diese toll erzählte Geschichte. Sie haben mich tief berührt und auch gut unterhalten. Von mir bekommt dieses Buch 10 Punkte und eine Leseempfehlung.
Wer sich jetzt auch angesprochen fühlt, der kann hier eine Leseprobe finden.
© claude
Alena ist eine bildhübsche aber emotional verschlossene junge Frau, die Medizin in Prag studiert. Aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses misstraut sie der Liebe und verschließt sich so vor dem wirklichen, dem wahrhaftigen Leben. Als Schutzwall spinnt sie ein Netz aus verschiedenen Lebenslügen um ihre Seele und schlussendlich sich selbst zu schützen. Doch dann lernt sie den Maler Ondrej kennen und sie merkt, dass sie mehr vom Leben will, als sie bisher bekommen hat. Doch das Leben von Alena ist wirklich nicht einfach, denn es gibt sowohl eine emotionlose Beziehung mit Vlado, die verbitterte und rachsüchtige Mutter - und zu allerletzt auch das Mondgeheimnis.
Dieses Buch des Autors Stefan M. Fischer hat mich positiv überrascht. Emotional, tiefschürfend und zusätzlich auch wirklich spannend erzählt, nimmt sich der Autor einem ernsten und nachdenklich machenden Thema an. Mit der Geschichte von Alena schaffte er es mich als Leser emotional zu packen und mich zu Tränen zu rühren. Alena eine junge Frau, die bereits in ihrer Kindheit traumatische Ereignisse erleben musste und aus diesem Grund keine Liebe in ihren Leben zulassen kann. Bei ihrer Großmutter aufgewachsen hat sie ein wenig Normalität erfahren können, aber zu wirklich tiefen Gefühlen ist sie nach den Erlebnissen in ihrer Kindheit nicht mehr fähig. Ich konnte die Gefühle von Alena sehr gut greifen, verstehen und komplett nachempfinden.
Der Autor hat mich wirklich stark begeistert. Ich bin immer noch fasziniert, wie der Autor einen so emotionalen und auch berührenden Roman geschaffen hat. Stefan M. Fischer ist ein Autorenname nach dem ich in Zukunft Ausschau halten werde. Danke für diese toll erzählte Geschichte. Sie haben mich tief berührt und auch gut unterhalten. Von mir bekommt dieses Buch 10 Punkte und eine Leseempfehlung.
Wer sich jetzt auch angesprochen fühlt, der kann hier eine Leseprobe finden.
© claude
Labels:
10 Punkte,
Belletristik,
eBook,
Stefan M. Fischer
Freitag, 1. August 2014
Gastrezension - Der Trümmermörder von Cay Rademacher
Eiseskälte
„Jedermann hat Angst. Jeder fragt sich, wer die Toten sind – und wer der Mörder ist. Jeder hat seine eigene Theorie, verdächtigt jemand anderen. Ungute Gerüchte machen die Runde. Es ist, als würde all das Elend, als würden die ständigen Entbehrungen und Demütigungen einen Hass nähren, der sich ein Objekt sucht. Und der gesichtslose Mörder könnte dieses Objekt sein. Solange es so kalt bleibt und solange Sie den Mörder nicht verhaftet haben, wird dieser Zorn wachsen. Irgendwann wird man der Polizei Versagen vorwerfen. Und dann der Verwaltung allgemein. Und irgendwann wird jemand laut sagen, was sich so mancher sicherlich schon denken wird: Dass es das früher nicht gegeben hätte, unter Adolf. Ich aber werde nicht tatenlos zusehen, wie ein einziger verrückter Mörder eine Lage schafft, in der sich unsere Bürger nach den Nazis zurücksehnen.“
Hamburg, im Januar 1947. Die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen leiden Hunger. Verschärft wird die Situation noch durch die Eiseskälte, die die Stadt bereits seit Wochen in ihren Fängen hat. Der tägliche Kampf ums Überleben zerrt an den Nerven, verbraucht alle Kräfte. In diesem ohnehin schon Horrorszenario wird eine junge Frau aufgefunden, nackt und ermordet, mitten in den Trümmern. Sie wird nicht das letzte Opfer des „Trümmermörders“ bleiben und Oberinspektor Stave wird schnell klar, wie überaus wichtig ein schneller Fahndungserfolg ist…
Dieser Krimi hat mich von der ersten Seite an begeistert. Feinfühlig und doch in aller Deutlichkeit wird die Situation der Menschen in diesem Hungerwinter 1947 beschrieben. Zu Recht wird diesen Schilderungen ausreichend Raum in der Geschichte zugewiesen. Es ist für jeden Leser, der später geboren wurde, ohnehin schwer bis unmöglich, die Lage der Menschen nachzuvollziehen. Was alles aus dieser Mordserie entstehen könnte, beschreibt mein Eingangszitat. Eine wirklich brenzlige Situation!
Grundsätzlich kommt kein Buch, das in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs spielt, ohne das Thema Nazis aus. Entsprechend wird es auch hier behandelt. Daneben wird auch die persönliche bzw. private Seite des Ermittlers nicht vernachlässigt: Staves Frau starb bei einem Bombenangriff, sein Sohn ist vermisst. Furchtbar – und doch ist Stave nur eins von vielen Schicksalen.
Die Mordserie selbst ist spannend und bietet beim Miträtseln viel Raum für Spekulationen. Weitere interessante Charaktere und ein packender Schreibstil rundeten für mich das Ganze ab.
Das Nachwort informiert übrigens darüber, dass diese Geschichte auf einem authentischen Fall beruht. Anders als im Buch, das uns eine Lösung des Falls präsentiert, wurde der wahre Trümmermörder jedoch nie gefunden.
Fazit: Für mich ein ganz klarer Favorit! Für Oberinspektor Stave gibt es noch zwei weitere Fälle: „Der Schieber“ und „Der Fälscher“. „Der Schieber“ wartet bereits auf meinem SuB und kann sicher sein, kurzfristig gelesen zu werden.
Zeitgeschichte – sehr berührend erzählt und mit einer spannenden Krimihandlung verwoben. Lesen!
© Manu
„Jedermann hat Angst. Jeder fragt sich, wer die Toten sind – und wer der Mörder ist. Jeder hat seine eigene Theorie, verdächtigt jemand anderen. Ungute Gerüchte machen die Runde. Es ist, als würde all das Elend, als würden die ständigen Entbehrungen und Demütigungen einen Hass nähren, der sich ein Objekt sucht. Und der gesichtslose Mörder könnte dieses Objekt sein. Solange es so kalt bleibt und solange Sie den Mörder nicht verhaftet haben, wird dieser Zorn wachsen. Irgendwann wird man der Polizei Versagen vorwerfen. Und dann der Verwaltung allgemein. Und irgendwann wird jemand laut sagen, was sich so mancher sicherlich schon denken wird: Dass es das früher nicht gegeben hätte, unter Adolf. Ich aber werde nicht tatenlos zusehen, wie ein einziger verrückter Mörder eine Lage schafft, in der sich unsere Bürger nach den Nazis zurücksehnen.“
Hamburg, im Januar 1947. Die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen leiden Hunger. Verschärft wird die Situation noch durch die Eiseskälte, die die Stadt bereits seit Wochen in ihren Fängen hat. Der tägliche Kampf ums Überleben zerrt an den Nerven, verbraucht alle Kräfte. In diesem ohnehin schon Horrorszenario wird eine junge Frau aufgefunden, nackt und ermordet, mitten in den Trümmern. Sie wird nicht das letzte Opfer des „Trümmermörders“ bleiben und Oberinspektor Stave wird schnell klar, wie überaus wichtig ein schneller Fahndungserfolg ist…
Dieser Krimi hat mich von der ersten Seite an begeistert. Feinfühlig und doch in aller Deutlichkeit wird die Situation der Menschen in diesem Hungerwinter 1947 beschrieben. Zu Recht wird diesen Schilderungen ausreichend Raum in der Geschichte zugewiesen. Es ist für jeden Leser, der später geboren wurde, ohnehin schwer bis unmöglich, die Lage der Menschen nachzuvollziehen. Was alles aus dieser Mordserie entstehen könnte, beschreibt mein Eingangszitat. Eine wirklich brenzlige Situation!
Grundsätzlich kommt kein Buch, das in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs spielt, ohne das Thema Nazis aus. Entsprechend wird es auch hier behandelt. Daneben wird auch die persönliche bzw. private Seite des Ermittlers nicht vernachlässigt: Staves Frau starb bei einem Bombenangriff, sein Sohn ist vermisst. Furchtbar – und doch ist Stave nur eins von vielen Schicksalen.
Die Mordserie selbst ist spannend und bietet beim Miträtseln viel Raum für Spekulationen. Weitere interessante Charaktere und ein packender Schreibstil rundeten für mich das Ganze ab.
Das Nachwort informiert übrigens darüber, dass diese Geschichte auf einem authentischen Fall beruht. Anders als im Buch, das uns eine Lösung des Falls präsentiert, wurde der wahre Trümmermörder jedoch nie gefunden.
Fazit: Für mich ein ganz klarer Favorit! Für Oberinspektor Stave gibt es noch zwei weitere Fälle: „Der Schieber“ und „Der Fälscher“. „Der Schieber“ wartet bereits auf meinem SuB und kann sicher sein, kurzfristig gelesen zu werden.
Zeitgeschichte – sehr berührend erzählt und mit einer spannenden Krimihandlung verwoben. Lesen!
© Manu
Labels:
10 Punkte,
Cay Rademacher,
Gastrezension,
Krimi
Abonnieren
Posts (Atom)





