Samstag, 30. August 2014

Gastrezension - Totenleuchten von Klara Nordin

Unter dem Nordlicht

„Der Weg auf den Berg war gut befahrbar. Die Samen räumten ihn den ganzen Winter über, weil sie dort oben im Wald ihre Rentiere an den Futterkrippen zufütterten. Margareta fuhr vorsichtig. Neben der Fahrbahn lag der Schnee fast einen Meter hoch. Eine falsche Bewegung, und sie würde feststecken und den ganzen Weg laufen müssen. Geschickt lenkte sie das schwere Fahrzeug, bis sie oben an der Wendeplatte angekommen war. Jetzt gab sie noch einmal richtig Gas. Zirka hundert Meter steil nach oben, dann war sie da. Polizeiinspektor Bengt Karlsson, ihr Kollege, stand im Türrahmen der roten Holzhütte, die bis vor einigen Jahren in der Sommersaison als Café gedient hatte. Margareta parkte den Motorschlitten nahe der alten Holzterrasse, deren Umrisse im Schnee nur zu erahnen waren. Bengt ging langsam auf sie zu. Er war blass und schien nach Worten zu suchen. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Bengt fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Der Junge wurde geschlachtet, geschlachtet wie ein Rentier.“  (S.44)

Nicht nur Bengt ist zutiefst erschüttert von diesem furchtbaren Fund. Alle Bewohner Jokkmokks, einer Kleinstadt nördlich des Polarkreises sind entsetzt! Gerade erst mussten sie einen jungen Mann beerdigen, der an seinem 19. Geburtstag einen tödlichen Unfall hatte. Und nun wurde einer seiner besten Freunde ermordet, ebenfalls an seinem Geburtstag. In dem Städtchen, in dem fast jeder jeden kennt, war der Junge allgemein beliebt. Wer könnte daher einen Grund haben, ihn zu töten? Und gibt es einen Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall seines Freundes?
Hauptkommissarin Linda Lundin, die gerade ihre neue Stelle hoch im Norden angetreten hat, hat eine harte Nuss zu knacken...

Dieser Krimi hat mich total begeistert! Besonders gefiel mir, wie schön die Handlung in den kulturellen und landschaftlichen Rahmen Lapplands eingebettet ist. Die Autorin liebt ihre Wahlheimat - und das merkt man. Seit 6 Jahren lebt sie in Lappland, in genau dieser kleinen Stadt Jokkmokk. Im Buch ist es die Hauptkommissarin Linda, die sich an ein völlig neues Leben gewöhnen muss. Vermutlich wird es ihr in Kürze so ergehen wie der Autorin - sie wird sich in ihre neue Heimat verlieben. Aber noch steht sie vor diversen Problemen. Da ist natürlich zunächst mal die große Kälte, die ihr zu schaffen macht. Während bei -30° die Kinder fröhlich draußen spielen, stellt sie fest, dass ihre mitgebrachte Winterkleidung bei weitem nicht ausreichend ist. Für die Klärung des Mordfalls kann sie gerade mal auf 2 Mitarbeiter zurückgreifen und um zum Tatort zu gelangen, muss sie auf einen Motorschlitten umsteigen.

Es sind diese vielen kleinen Besonderheiten, die den Krimi zu einem ganz besonderen werden lassen. Viel erfährt der Leser auch über die Samen, ob es um deren Geschichte, Sprache, Mode, um ihre Ansichten oder um ihre Werte geht. Erstaunt las ich, wie tief all diese Dinge auch bei der jungen Generation verwurzelt sind.

Aber es ist kein Sachbuch und niemand muss befürchten, dass Spannung oder Ermittlungsarbeit zu kurz kommen. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Es gibt diverse Verdächtige, immer mal wieder neue Wendungen und zum Schluss löst sich alles logisch auf.

Sympathische Charaktere gibt es ebenfalls mehrere. Und obwohl ich den Bewohnern Jokkmokks ihren Frieden gönnen würde, hoffe ich doch, dass Linda und ihre Mitarbeiter bald wieder Arbeit bekommen ;-)

Was mich im Moment aber am meisten bewegt, ist der heftige Wunsch, auch mal selbst in dieses Land zu reisen. Die Landschaftsbeschreibungen, die Berichte über Schlittenfahrten mit Husky-Antrieb, über samische Feste und Märkte und nicht zuletzt über die sagenhaften Polarlichter waren so intensiv geschrieben, dass ich am liebsten gleich meine Koffer gepackt hätte. Und wenn ich eines Tages losfahre, werde ich mich bemühen, nicht die gleichen Fehler zu machen, wie der typische Tourist, "erkennbar an der zu dünnen Kleidung und den eleganten Winterschuhen".

© Manu 

Freitag, 29. August 2014

Neue SuB-Abbau-Challenge im September

Es ist mal wieder Challenge-Zeit. Krimifee86 hat auf Lovelybooks die Bandwurm-Zungenbrecher-Challenge ausgerufen.

Meine gelesenen Bücher im September. Ich hoffe ich finde tolle lange Titel (Stand 30.09.2014)
  1. Teri Wilson - Ausgerechnet Mr. Darcy 
  2. Axel Krohn, Sören Sieg - Ich bin eine Dame, Sie Arschloch
  3. Sandra Regnier - Die Stunde der Lilie (Band 1)
  4. Mark Billingham - Die Lügen der Anderen
  5. John Boyne - Der Junge im gestreiften Pyjama 
  6. Zoran Drvenkar - Still 
  7. Kerstin Gier - Silber Das erste Buch der Träume 
  8. Tom Llewellyn - Das Haus in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt  
  9. Nora Berger - Der Fluch der Zuckerinsel 
  10. Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte 
  11. Nora Roberts - Im Sturm der Erinnerung
  12. Frauke Scheunemann - Winston Agent auf leisen Pfoten 
  13. Kristen Tracy - Wie wir uns aus Versehen verliebten 
  14. Gabriella Engelmann - Im Pyjama um halb vier 
  15. Horst Evers - Wäre ich du würde ich mich lieben 
  16. Mila Roth - Sport und Mord gesellt sich gern 
  17. Pseudonymous Bosch Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis 
  18. Janine Wilk - Die Schattenträumerin 
  19. Amy Silver - Ich und Du und all die Jahre 
  20. Stephen King, Stewart O'nan - Ein Gesicht in der Menge 
  21. Cordula Broicher - Die Zeit danach 
  22. John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter 
  23. Haraki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki 
Angefangene Bücher:
  1. Mila Roth - Dein Freund und Mörder (65 Seiten)
  2. Rachel Gibson - Wer zuletzt lacht, küsst am besten (69 Seiten)
  3. Beatrix Mannel - Der Klang der blauen Muschel (17 Seiten)
  4. Andreas Götz - Hörst du den Tod? (73 Seiten)
  5. Brian Conaghan - Jetzt Spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe (153 Seiten)
  6. Juliet Ashton - Ein letzter Brief von dir (123 Seiten)
  7. Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat (216 Seiten)
  8. Julia Bähr/Christian Böhm - Wer ins kalte Wasser springt muss sich warm anziehen (128 Seiten)
  9. Joachim Gauck - Winter im Sommer-Frühling im Herbst (57 Seiten)
  10. Daniel Handler - 43 Gründe, warum es aus ist (99 Seiten)
  11. Christian Hahnewinkel - Lonesome zweisam (10 Seiten)
  12. Adam Johnson - Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (95 Seiten)

Folgende Gruppen gibt es diesmal im Monat September:

Team Whiskymixer (Whiskymixer mixen Whisky mit dem Whiskymixer, mit dem Whiskymixer mixen Whiskymixer Whisky):



Team Rumkugeln (Wenn Rumkugeln um Rumkugeln rumkugeln, dann kugeln Rumkugeln um Rumkugeln rum):


Team Bierbrauerburschen (Braunschweiger Bierbrauerburschen brauen brausiges braunschweiger Braunbier.):


Ich hoffe eure Trikots für den Monat September gefallen Euch. Alle Bilder wurden von mir erstellt.

PS: Der süsse Bursche auf Bild drei ist mein Vater mit ca. 4 Jahren. Ist er nicht niedlich.

Dienstag, 26. August 2014

Teufelsmord von Tanja Noy

Was geschah vor vielen Jahren wirklich?

Julia Wagner hat ihren Job als Kriminalbeamtin an den Nagel gehängt. Doch dann bekommt sie einen Anruf und somit Nachricht aus ihrer Vergangenheit. Ihre Jugendfreundin Kerstin ist tot. Sie hat sich nach dem teuflischen Mord an ihrem Ehemann in der Gefängniszelle erhängt. Doch vorher hatte sie den Mord auch noch zugegeben. Eigentlich wollte Julia nie wieder zurück in die Gegend in der sie aufgewachsen ist. Zu viele negative Erinnerungen hat sie an ihre Kindheit im Jugendheim, aber dann erwacht doch ihr kriminalistischer Instinkt, denn sie glaubt nicht daran dass Kerstin eine Mörderin sein soll. Der Mord trägt die Handschrift des Teufelsmord, der bereits vor vielen Jahren die Dorfgemeinschaft in Angst und Schrecken versetzt hat. Zusammen mit zwei weiteren Freunden von damals, die ebenfalls zur Beerdigung gekommen sind, begibt sie sich auf Spurensuche und schon bald stößt sie auf eine Mauer des Schweigens und eine eingeschworene Dorfgemeinschaft.

Dieser Thriller von Tanja Noy ist sehr spannend und zusätzlich auch gruselig geschrieben. Immer wieder habe ich mich mit Julia auf Spurensuche gewagt und dadurch auch immer wieder in schreckliche menschliche Abgründe blicken müssen. Die Autorin schafft es mit ihrer Erzählkunst ein eigentlich friedliches Dorf zum Schauplatz einiger abscheulicher Morde und somit zum Spielplatz eines durchgedrehten Serienkillers zu machen. Sie zeichnet zusätzlich ein hervorragendes sowie komplexes Bild einer verschworenen Dorfgemeinschaft, die einige Geheimnisse zu verbergen hat, aber nach aussen hin eine vorbildliche Gemeinde zu sein scheint.

Alles in Allem ist dieser Thriller gut gelungen, unheimlich und spannend erzählt. Leider gab es nur eine Teilaufklärung und somit einen wirklich fiesen Cliffhänger am Ende des Buches. Wer wissen will, was letztendlich genau hinter den Teufelsmorden steckt, der muss sich noch ein bisschen gedulden und die Fortsetzung Todesruhe lesen, die bald erscheinen soll. Von mir bekommt dieser Thriller 8 von 10  Punkte.

© claude

Freitag, 22. August 2014

Gastrezension - Piagnolia von Matthias von Arnim

 Wetten?

„Seht auf diesen Mann“, sagte er und klopfte ihm auf die Schulterklappen. „Das ist ein echter, arischer Römer. Ein Mann, auf den ich mich verlassen kann! Ein Vorbild für euch alle! Vittorio, wenn wir diese Weltmeisterschaft gewinnen und dem Rest der Welt damit ein weiteres Mal Italiens Größe und Macht beweisen, werde ich ein Schiff nach dir benennen“, rief Benito Mussolini.     (S. 119)

Wir befinden uns im Jahre 1934 n. Chr. Ganz Italien tanzt nach Roms Pfeife… Ganz Italien? Nein! Ein von unbeugsamen Dörflern bevölkertes Nest in der Nähe von Florenz hört nicht auf, Benito Mussolini Widerstand zu leisten…

Im Jahr 1934 fand die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien statt. Um das gesamte Turnier und den Sieg Italiens ranken sich Gerüchte, die von Bestechungsmaßnahmen sprechen. Es gibt Manipulationsvorwürfe, Schiedsrichter sollen alles andere als neutral gepfiffen haben und man hat festgestellt, dass unter anderem die italienische Nationalmannschaft Spieler aufstellte, die als Nicht-Italiener eigentlich nicht hätten im Team sein dürfen. Man kann wohl unbesorgt behaupten, dass Mussolini ein Sieg Italiens im eigenen Land enorm wichtig war.

Wie genau sind wohl die Bestechungen abgelaufen? Wer hat sich um alles gekümmert, sämtliche Fäden gezogen? Hier im Buch hat Mussolini eine „Spezialabteilung“ beauftragt, sich zum einen um die Finanzierung der WM zu kümmern und zum anderen dafür zu sorgen, dass Italien das Turnier gewinnt. Wie ist egal, alles ist erlaubt.

Tatsächlich sieht es auch so aus, als ob die „Spezialabteilung“ alles im Griff hat. Die Spiele verlaufen planmäßig und wenn man das Ergebnis schon vorher weiß, kann man auch prima darauf wetten und damit die schwarzen Kassen füllen. Vermutlich hatten weder Oberst Vittorio Briccone, Sonderbeauftragter für die Finanzierung der WM, noch Achille Starace, Sekretär der faschistischen Partei Italiens damit gerechnet, dass ein paar Dorfbewohner ihnen ernsthafte Schwierigkeiten machen könnten. Aber die Menschen in Piagnolia, einem fiktiven Dorf in der Toskana, möchten sich weder erpressen noch finanziell ausbeuten lassen. Und sie haben zwei Stärken: Zum einen ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und zum anderen einen gewissen Guido Ventura, der in Piagnolia aufwuchs, aber in der letzten Zeit ein Mitarbeiter der „Spezialabteilung“ war. War – wohlbemerkt.

Dieses Buch hat einfach nur Spaß gemacht! Die fiktive Handlung passt sich perfekt in den historischen Rahmen ein. Das Nachwort klärt den Leser darüber auf, dass „alle im Roman beschriebenen Fußballspiele, ihre Verläufe und die Ergebnisse den Tatsachen entsprechen, ebenso wie die im Roman beschriebenen historischen Begebenheiten, die zum Teil erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Fußballweltmeisterschaft hatten.“ Einige dieser Begebenheiten lesen sich so schräg, dass man trotzdem nachgoogelt (zumindest ging mir das so) und die Bestätigung liest.

Ich behaupte jetzt auch mal, dass man nichts von Fußball verstehen muss, um an den hier vorkommenden Spielen seine Freude zu haben. So sehr geht es überhaupt nicht ins Detail. Viel wichtiger sind die Charaktere dieses Buches – und davon gibt es einige erwähnenswerte!

Da sind zunächst mal die Bösen, Mussolini, Briccone und Starace. Die sind einfach nur fies und leider auch sehr mächtig. Und auf der anderen Seite haben wir ein wunderbares Team, dem unter anderem der kommunistische Bürgermeister von Piagnolia, der Dorfpfarrer, ein junges Mädchen und ein leicht trotteliger Bauer angehören. Unterstützt wird das Dorfteam noch von einem Sportreporter aus New York und dem oben schon erwähnten Guido Ventura. Vor allem der Pfarrer hatte schnell mein Herz erobert. So wie er sich benimmt, wird er sicher nie Bischof. Obwohl… Wenn er es drauf anlegen würde, vielleicht doch ;-) Denn eins ist klar: Dieses Team ist ein würdiger Gegner!

Die Kapitelaufteilung richtet sich nach „Tagen bis zum Endspiel“, man merkt also sehr genau, wie der große Tag näher rückt. Als ich das Kapitel mit besagtem Finale vorhin las, merkte ich zu meinem großen Vergnügen, dass ich total gespannt den Spielverlauf verfolgte, obwohl ich doch genau wusste, wie das Spiel endete. Toll geschrieben, kann ich da nur sagen!

Die Bezeichnung „Krimi“ finde ich allerdings ein bisschen irreführend. Gut, es gibt auch einen Toten, aber der dient eher dem Zweck, einige sehr schwarzhumorige Passagen (die ich absolut herrlich fand!) zu unterstützen. Vorne auf dem Buch steht „Roman“ und dabei sollten wir bleiben.

Fazit: Ein flott zu lesendes Buch, das einfach Spaß macht. Sicher auch einem Nicht-Fußballfan ;-)

Hier findet ihr auch noch eine Leseprobe zum Buch.

© Manu

Mittwoch, 20. August 2014

Der Zeitentaucher Mit Schiff, Charme und Kanonen von Tammy Lincoln

Habe etwas anderes erwartet

Bei dieser Rezension möchte ich einmal nicht mit meinen eigenen Worten den Inhalt wiedergeben, sondern übernehme einfach komplett den Klappentext, damit man meine Meinung zum Buch auch besser nachvollziehen kann. Es ist eigentlich so gar nicht meine Art, aber in diesem besonderen Fall ist es leider notwendig.

Klappentext: Anker lichten, Leinen los! Die unerschrockene Piratentochter Olivia macht von Hawaii aus mit ihrer schrägen Crew die Südsee unsicher. Da spült das Schicksal ihr einen Mann vor die Füße, der behauptet, er komme aus der Zukunft. Robert, der Meeresbiologe, bringt sie völlig durcheinander: Erst mal steckt er in einer schwarzen Gummihaut und hat Flossen wie ein Fisch, dann entpuppt er sich als der wohl der heißeste Kerl der sieben Weltmeere. ARRRR! Doch auf dem Piratenschiff gelten strenge Regeln: Wenn der Fischmann sein Leben retten will, muss er sich als Piratenkrieger beweisen, einen legendären Familienschatz finden und ihren durchtriebenen Widersacher, den „Großen Chang“, zu den Haien schicken …

Soweit also der Klappentext. Dieser hatte mir wirklich gut gefallen und mich sehr angesprochen. Aus diesem Grund habe ich mich dann auch bei bloggdeinbuch darum beworben dieses Buch zu lesen und zu rezensieren, klang die Geschichte doch ganz nach meinem Beuteschema. Spannend, prickeln und abenteuerlustig. Aber weit gefehlt. Dieses Buch war leider komplett anders als ich es mir vorgestellt hatte. Die Autorin ergeht sich immer wieder in extrem langen Erklärungen zu unterschiedlichen Themen der Vergangenheit und auch der Gegenwart. Den ein oder anderen mag es gefallen so viel Informationen in diesem Rahmen serviert zu bekommen. Aber leider passte es so gar nicht zum Buch und meiner Vorstellung davon.

Auch erklärte der Klappentext nicht, dass der Vater von Olivia mit an Bord ist und er eigentlich das Kommando über das Schiff hat und dort alles nach seinen Regeln ablaufen muss. Das hat den Erzählfluss meiner Ansicht nach auch unheimlich gestört. Weiterhin haben die erotischen Szenen in diesem Buch so gar keinen Anspruch. Sie sind eher plump und keineswegs ansprechend gewesen. Wirklich sehr schade.

Alles im Allen kann ich nur sagen, dass ich mich wirklich komplett durch dieses Buch gekämpft habe in der Hoffnung, dass es mich vielleicht doch endlich fesseln würde. Aber das hat es leider in keinster Weise geschafft. Ich kann nur davon abraten dieses Buch zu lesen. Der Klappentext verspricht mehr als der Inhalt zu bieten hat. Mein Geschmack hat es so gar nicht getroffen und aus diesen Grund muss ich leider auch einmal etwas weniger Punkte verteilen. Von mir bekommt dieses Werk nur 4 von 10 Punkte und dementsprechend auch diesmal leider keine Leseempfehlung.

Wer aber selbst einmal schauen möchte kann hier bei books2read ins Buch reinlesen und nachschauen, ob meine Kritik berechtigt ist. Danke noch einmal an bloggdeinbuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.

© claude

Freitag, 15. August 2014

Gastrezension - Was die Welle nahm von Vera Kissel

Der Tote, über den man nicht sprechen darf.

„Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Erwischst mich nicht.
Jedes Mal, wenn ich wieder von der Welle geträumt habe, trainiere ich so. Wie ein Irrer. Ich ziehe das Tempo an, bis ich nur noch Herz und Lunge und Rhythmus bin. Drehe weiter auf und fliege fast durch das Wasser. Bin nicht mehr Lukas, bin was anderes, was dazwischen, ein Wesen halb Fisch, halb Mensch.
… Mein Sportlehrer wollte mich auch, für die Schulmannschaft. So ein Talent wie ich müsste in den Leistungssport.
Aber ich schwimme nicht gegen andere Menschen.
Nicht mal gegen mich selbst.
Ich schwimme gegen die Welle.“

Am 26. Dezember 2004 löste ein Erdbeben eine Reihe von verheerenden Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans aus. Insgesamt starben durch das Beben und seine Folgen etwa 230.000 Menschen (gem. Wikipedia). In Thailand wurden geschätzte 8.000 Menschen von der Welle in den Tod gerissen. Einer davon war Lukas Vater.
Das ist nun 10 Jahre her, Lukas ist mittlerweile 14 Jahre alt. Doch Nacht für Nacht plagen ihn Alpträume, muss er im Schlaf gegen die Welle kämpfen. Und Tag für Tag vermisst er seinen Vater. Das Schlimmste ist aber, dass er mit niemandem aus seiner Familie über seinen Vater sprechen kann -  weder seine Mutter noch seine Großeltern beantworten seine Fragen. Es ist, als hätte es seinen Vater nie gegeben!
Lukas will Antworten, Lukas sucht die Wahrheit. Als er einen Brief findet, den seine Mutter versteckt hatte, macht er eine Entdeckung, die ihn völlig schockiert…

Lukas kämpft jeden Tag. Er kämpft gegen seine Angst, gegen das Trauma, das die Flutwelle bei ihm verursacht hat. Wie häufig im Leben sorgt Schweigen dafür, dass eine Situation noch schlimmer erlebt wird, als sie ohnehin schon ist.
Mit niemandem kann er über den Tod seines Vaters reden. Also hat er sich kundig gemacht, hat alles über „die Welle“ gelesen und angeschaut. Seine Phantasie malt sich immer wieder aus, wie sein Vater wohl gestorben ist. Jede Nacht aufs Neue – furchtbar!
Lukas Weg, damit zu leben, ist sein tägliches Schwimmtraining. Dabei fordert er sich bis zur totalen Erschöpfung, bis die Gedanken wieder frei werden. Mich hat das sehr beeindruckt!

Die familiäre Situation, in der Lukas lebt, ruft bei mir nur Kopfschütteln hervor. Regelmäßig hätte ich mir seine Mutter schnappen und mal ordentlich durchschütteln wollen! Wie kann man dem Jungen nur seinen Vater so komplett wegnehmen?
Lukas wehrt sich dagegen. In Gedanken spricht er mit seinem Vater, hütet er vage Erinnerungen, die er an ihn hat. Und er macht ihm Vorwürfe: Warum hast du mich alleingelassen? Ich bräuchte deinen Rat! Warum bin ich so schüchtern? Hab ich das von dir?

Eins war mir sehr schnell klar: Das Buch ist ungeheuer emotional geschrieben. An keiner Stelle hat es mich kalt gelassen! Lukas Gedanken und Gefühle stürzen auf ihn ein, kurze und abgehackte Sätze machen das ganz deutlich! Es sind einfach zu viele Emotionen auf einmal und sie sind viel zu intensiv! Wer so etwas erlebt, denkt nicht in ganzen Sätzen! All die Verzweiflung und die Wut auf die diversen Erwachsenen, die nicht mit ihm reden und auf seinen Vater, der ihn durch seinen Tod verlassen hat, kommen unmissverständlich raus. Ohnehin ist die Pubertät eine Lebensphase, die von starken Gefühlen und Gefühlsschwankungen beherrscht wird. Wenn dann noch solche Probleme hinzukommen, wie hier bei Lukas, wundere ich mich nicht über gelegentliche heftige Wutanfälle.

Dabei merkt man, dass Lukas kein braver Vorzeigejunge ist. Nein, er ist ein ganz normaler Junge mit ganz normalen Gefühlen. Dass er schon mal durchdreht, macht ihn authentisch und gibt die Möglichkeit, sich mit ihm zu identifizieren.
Ebenso normal ist, dass Lukas nicht rund um die Uhr an seinen Vater denkt. Neben seinem täglichen Schwimmtraining ist Lesen für ihn enorm wichtig – ein Punkt, der mir natürlich ungeheuer sympathisch ist ;-) Und wenn er den „Kinderhassern“ in der Nachbarschaft einen Streich spielt, kann ich nicht anders, als breit zu grinsen.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Jugendbuch über die Suche nach der eigenen Identität. Ein Plädoyer für Offenheit und Toleranz, das auch Eltern lesen sollten.

© Manu

Dienstag, 12. August 2014

Alles Liebe oder Watt von Marie Matisek

Ein unterhaltsamer Sylt-Roman

Nach der Scheidung ist die Pastorin Silke mit ihren Kinder auf den Weg zu ihrer neuen Gemeinde auf Sylt. Bereits auf dem Weg in ihre neue Heimat Sylt lernt Silke eins ihrer neuen Schäfchen kennen. Lars Holm, der Bauunternehmer auf der Insel, ist arrogant, humorfrei und ein Klugscheißer vor dem Herrn. Da passt es sehr gut, dass Silke nach der Scheidung sowieso vorhatte die Finger von den Männern zu lassen. Doch ihre guten Vorsätze geraten ins Wanken als sie den gutaussehenden Naturschützer Ommo kennenlernt. Aber glücklicherweise hat sie ja Oma Grete, ihre Haushälterin an ihrer Seite, die nur zu gut alle Geheimnisse der Insel kennt sondern auch einige Tricks auf Lager hat. Eines ist auf alle Fälle sicher. Der neue Lebensabschnitt auf Sylt wird unter Garantie nicht langweilig.

Dieser kurzweilige Roman von Marie Matisek sorgt für leichte, sommerliche und angenehme Urlaubsgefühle. Schnell konnte ich mich als Leser mit dem Leben und den Gewohnheiten auf Sylt bekannt machen. Die leicht tollpatschige, aber auch sehr sympathische Pastorin Silke hat mein Herz im Sturm erobert. Zeigte sie mir doch, dass auch Pastoren nur Menschen sind, denen nicht alles in den Schoss fällt. Ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihre menschliche Unvollkommenheit machte sie zu einen wirklich sehr interessanten, aber auch liebenswerten Menschen, dem man seine Schwächen gerne verzeihen konnte. An einigen Textstellen hatte ich sogar ernstlich Sorge, dass sie ihre Erziehungsmaßnahmen alleine nicht geregelt bekommt und sozusagen gegen die Wand fährt. Aber mit Hilfe ihrer Mitmenschen und durch ihre eigene Courage hat sich Silke dann doch recht schnell eingelebt und schließlich packt sie auch ihr neues Amt als Pastorin richtig an. Sie kommt auf der Insel an und findet eine neue Heimat und schlussendlich auch neue Freunde.

Insgesamt hat mir das Buch von Marie Matisek gut gefallen und ich möchte es gerne allen Lesern empfehlen die eine sommerliche Lektüre für Zwischendurch und ohne Schnickschnack suchen. Dieser Roman ist eine nette Urlaubslektüre, die Lust auf eine Reise nach Sylt macht. Von mir  bekommt dieser Roman für seinen kurzweiligen Lesespaß 8 von 10 Punkte.

© claude