Montag, 2. Dezember 2013

Frau Berger wird unsichtbar von Kerstin Michelsen

Wie verschiedene Generationen einander helfen können

Der Student David begegnet im Hausflur der 90 jährigen Nachbarin Hannelore Berger und bietet seine Hilfe an. Schon in ihrer Wohnung ist David sich nicht mehr sicher, warum er überhaupt gefragt hat. Es will nur noch schnell wieder verschwinden, würde sein Angebot am liebsten rückgängig machen und sich nicht um die alte Dame kümmern.

Am Anfang dieser Geschichte scheint es als hätten die beiden nichts gemein und als hätten sie sich nichts zu sagen, aber dann kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sie sich gegenseitig helfen können. Zusätzlich kommt David einem lang verschwiegenden Familiengeheimnisses auf die Spur.

Diese Geschichte zeigt uns, wie alte Menschen sich fühlen, wenn sie nicht mehr so schnell können, sich nicht mehr so gut erinnern können und auch von den anderen Menschen nicht mehr wahrgenommen werden. So geschieht es auch Frau Berger. Sie wird für die meisten Menschen unsichtbar. Ihre besten Freunde und Weggefährten sind schon lange tot oder befinden sich in Pflege. Sie ist einsam und allein, denn ihre einzige Tochter lebt in Kapstadt und kommt eher unregelmäßig vorbei. Es ist schön und ergreifend zu lesen, wie sich der Nachbar David Stück für Stück mit Frau Berger anfreundet und ihr hilfreich zu Seite steht, obwohl er selbst mit seiner Lebenssituation überfordert zu sein scheint. Aber schließlich bringt Hannelore Berger Ruhe, Gelassenheit und auch gesuchte Antworten in sein Leben.

Kerstin Michelsen schafft es in diesem Buch auf sehr schöne und unkomplizierte Art dem Leser Einblicke in das lange und turbulente Leben von Hannelore Berger zu gewähren. Sie zeigt die immer weiter anwachsende Verwirrung und Gebrechlichkeit des Alters, ohne kitschig oder ermahnend zu wirken. Mit gut platzierten und fast schon philosophischen Sätzen bringt sie den Leser zum Nachdenken: "Je älter sie wird, umso kürzer wird der Weg in die Vergangenheit" und "Schnell ist sie nur noch wenn sie fällt."

Mir hat diese Geschichte über David, Frau Berger und auch ihrer Tochter Rosemarie sehr gut gefallen. Volle Punktzahl für dieses ergreifende und auch nachdenklich machende Buch und ich gebe hier gerne auch eine Leseempfehlung, denn das interessante Leben von Hannelore Berger ist eine Reise in ihre Vergangenheit, aber auch in ihre Gegenwart wert.

Wer sich selbst eine Meinung über das Buch bilden möchte kommt hier zur Leseprobe
© claude

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