Sonntag, 18. Mai 2014

Gastrezension - Haarmann von Peer Meter

Ich wollte ja keinen umbringen...

„Ich wollte ja keinen umbringen, aber ab und zu war immer einer tot.“

Fritz Haarmann war – wie vermutlich jedem bekannt sein dürfte – ein Serienmörder, der im Hannover des Jahres 1924 für Angst und Schrecken sorgte. Dort verschwanden innerhalb kurzer Zeit diverse Jungen und junge Männer spurlos. Irgendwann tauchten in der Leine immer mehr Schädel und Gebeine auf. Alle waren sorgfältig vom Körper getrennt worden und das Fleisch wurde sauber abgeschabt. Und Fritz Haarmann war in der ganzen Nachbarschaft gut bekannt dafür, dass man bei ihm immer wieder Fleisch, Würste und Altkleider erwerben konnte...

Am 19. Dezember 1924 wurde er wegen des Mordes an 24 Jungen zwischen 10 und 22 Jahren zum Tode verurteilt. Und so mancher seiner ehemaligen Nachbarn dürfte anschließend zum Vegetarier geworden sein.

Peer Meter, den ich durch sein Buch zur Giftmörderin Geesche Gottfried kennengelernt habe, hat auch für seine Graphic Novel über Fritz Haarmann wieder gut recherchiert und es verstanden, die Geschehnisse atmosphärisch überaus eindrucksvoll darzustellen.

Schon als ich das Buch aufschlug, lief mir ein Schauer über den Rücken. Da, wo man sonst einen Klappentext erwartet, gibt es über die kompletten zwei Buchseiten hinweg eine Auflistung von Opfern mit unter anderem Name, Alter und dem Datum des Verschwindens. Meine Güte! Ich wusste ja, dass dieser Mensch so viele Jungen getötet hatte, aber mir war nicht bewusst gewesen, dass alle diese Morde in so einem kurzen Zeitraum geschahen! Manchmal lagen nur wenige Tage zwischen den einzelnen Taten!

An nicht wenigen Stellen bekommt man auch gute Eindrücke von Haarmanns gestörtem Geisteszustand. Diesem Mann würde man heute vermutlich Schuldunfähigkeit attestieren. Tatsächlich hat man ihm schon früh „unheilbaren Schwachsinn“ und später Schizophrenie bescheinigt, was aber die Polizei nicht davon abhielt, ihn als Spitzel einzusetzen. Überhaupt die Rolle der Polizei! Seinem Treiben hätte schon viel früher ein Ende gesetzt werden können, denn immer wieder gab es Hinweise aus der Bevölkerung, die ihn beschuldigten. Doch war er überaus wertvoll bei der Überführung von Hehlern, deshalb wurden sämtliche Hinweise abgewehrt.

Die Zeichnungen sind wieder großartig! Manche Geschehnisse kommen ohne Text aus – da kann man einfach die Bilder in ihrer ganzen Intensität auf sich wirken lassen.

Im Anschluss an die „Novel“ findet sich ein historischer Überblick, der neben Fotos Infos über Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg bringt und das Leben von Haarmann und diversen weiteren in der Geschichte vorkommenden Personen zeigt.

Favoritenstatus!

Wer sich selbst eine Meinung zu diesem Buch bilden möchte findet hier eine Leseprobe.

© Manu

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